7 Gedichte

Gedichte zum 88. Geburtstag

Sieben neue Gedichte zum 88. Geburtstag über Familie, Alltag, Erfahrung und eine markante Zahl, herzlich und ohne Altersklischees.

Zwei gleiche Achten machen den 88. Geburtstag auf Karten besonders auffällig. Wichtiger als die schöne Zahl bleibt jedoch die Person, deren Gewohnheiten, Geschichten und Beziehungen sich nicht in einer Jahreszahl zusammenfassen lassen.

Diese Originalgedichte passen zu einer Karte, Kaffeetafel oder kleinen Ansprache. Sie würdigen das Alter, ohne Gebrechlichkeit vorauszusetzen oder ein langes Leben automatisch als geradlinige Erfolgsgeschichte zu erzählen.

01
trocken·karte

Zwei Achten auf der Karte

Zwei Achten stehen nebeneinander,
sauber in Gold gedruckt.

Du betrachtest sie kurz
und öffnest lieber den Umschlag.
Die Zahl ist schön, sagst du,
aber was steht darin?
02
warm·feier

Achtundachtzig Gäste, fast

Wir laden nicht achtundachtzig Menschen,
der Tisch wäre zu klein.

Doch jede Person bringt
eine andere Geschichte über dich.
Am Ende ist das Zimmer
größer als seine vier Wände.
03
verschmitzt·vorlesen

Dein Becher am Morgen

Seit Jahren steht derselbe Becher
rechts neben der Kaffeemaschine.

Heute trägt er eine Schleife,
die beim Trinken stört.
Du entfernst sie sofort.
Geburtstag darf praktisch bleiben.
04
aufmerksam·karte

Der Gartenweg mit Pausen

Du gehst den Gartenweg langsamer,
kennst dafür jede Veränderung.

Hier fehlt ein Zweig,
dort blüht die Rose früher.
Achtundachtzig Jahre lehren nicht alles,
aber manches sehr genau.
05
heiter·kaffeetafel

Besuch am Nachmittag

Die Familie kommt um drei,
der Kuchen bereits um zwei.

Du prüfst ein kleines Stück,
damit später nichts misslingt.
Als die Gäste klingeln,
ist die Qualitätskontrolle abgeschlossen.
06
aufrichtig·geburtstagskarte

Wunsch ohne Liste

Wir wünschen dir keinen
vollständig sorglosen Weg.

Wir wünschen gute Menschen,
eigene Entscheidungen, ruhige Morgen
und genügend Gründe,
auch morgen neugierig zu bleiben.
07
heiter·vorlesen

Der beste Platz am Fenster

Mit achtundachtzig sitzt du am Fenster
und kennst den Rhythmus dieser Straße.
Du weißt, wann die Post kommt,
wer seinen Hund zu lange warten lässt.
Heute bleibt der Vorhang weit geöffnet,
denn Gäste tragen Kuchen herein.
Aus deinem stillen Beobachtungsposten
wird für einen Nachmittag
der fröhlichste Platz im ganzen Haus.