7 Gedichte

Gedichte zum Abitur

Sieben neue Gedichte zum Abitur über Prüfungen, Abschied, Unsicherheit und verschiedene Zukunftswege.

Das Abitur ist ein wichtiger Abschluss, aber kein einheitlicher Start in ein geradliniges Leben. Freude, Erschöpfung und offene Fragen können gleichzeitig auftreten.

Diese Originalgedichte passen zu Karten und Abschlussfeiern. Sie vermeiden Leistungsparolen und würdigen ebenso Umwege, Pausen und noch unklare Pläne.

01
erleichtert·vorlesen

Die letzte Klausur

Der Stift liegt endlich still,
die Uhr läuft trotzdem weiter.
Draußen wartet heller Juni,
im Kopf noch jede Frage.
Beim Abgeben beginnt Freiheit
zunächst als tiefer Atemzug.
02
würdig·ansprache

Der Umschlag

Im Umschlag stehen Noten,
aber nicht die ganze Arbeit.
Keine Zahl kennt schlaflose Nächte,
Freundschaft oder Zweifel.
Heute feiern wir den Weg,
nicht nur sein gedrucktes Ergebnis.
03
offen·schule

Stufen vor der Schule

Auf den Stufen sitzen wir
zum letzten Mal als Klasse.
Jemand plant eine Reise,
jemand noch den nächsten Tag.
Zukunft klingt in vielen Stimmen
und keine muss fertig sein.
04
nostalgisch·lesen

Der leere Spind

Der Spind ist ausgeräumt,
nur ein Stundenplan klebt fest.
Ich ziehe ihn langsam ab
und falte ihn in die Tasche.
Selbst beendete Jahre hinterlassen
noch kleine praktische Spuren.
05
ermutigend·karte

Kein gerader Weg

Nicht jeder Weg nach dem Abi
führt sofort an ein Ziel.
Du darfst fragen, arbeiten, reisen,
neu beginnen oder warten.
Ein Abschluss öffnet Möglichkeiten,
er schreibt sie nicht vor.
06
nachdenklich·karte

Morgen ohne Klingel

Morgen klingelt kein Stundenplan,
aber vielleicht dein alter Wecker.
Gewohnheit steht früh auf
und findet das Klassenzimmer leer.
Dann beginnt ein neuer Rhythmus,
noch ungeübt und ganz deiner.
07
erleichtert·vorlesen

Vor dem Schultor danach

Nach der letzten Prüfung stehen wir
vor dem Schultor und wissen nicht wohin.
Wochenlang war jeder Tag geplant,
jedes Kapitel mit Farbe markiert.
Nun liegen Stifte lose in Taschen,
der Nachmittag hat keine Aufgabe.
Einer lacht, eine weint, jemand schweigt.
Freiheit fühlt sich zuerst
wie eine ungewöhnlich leere Seite an.