7 Gedichte

Gedichte zum Ruhestand

Neue Gedichte zum Ruhestand über freie Zeit, vertraute Arbeit, Abschied und den ungeübten Luxus eines offenen Tages.

Der Ruhestand ist nicht nur Urlaub ohne Ende. Er kann Erleichterung, Stolz, Unsicherheit und Abschied zugleich bedeuten.

Hier finden sich kurze Kartentexte, humorvolle Stücke und Gedichte zum Vorlesen bei einer Feier.

01
heiter·karte

Der Betriebsausweis

Am letzten Tag gibst du den Ausweis ab.
Am ersten freien Morgen
suchst du ihn aus Gewohnheit.

Dann gehst du ohne Kontrolle
in den Garten.
02
hoffnungsvoll·rede

Mittwochvormittag

Im Schwimmbad sind nur drei Menschen.
Kein Wochenende, kein Feierabend.

Du ziehst langsam deine Bahn
und entdeckst eine Uhrzeit,
die früher anderen gehörte.
03
nachdenklich·karte

Frau Zeit

Die Zeit legt ihre Arbeitskleidung ab
und setzt sich zu dir auf den Balkon.

Sie hat keinen Terminkalender dabei.
Ihr müsst euch erst kennenlernen.
04
ruhig·rede

Privat

Auf dem Karton steht PRIVAT.
Darin liegen ein Foto, zwei Postkarten,
ein Stein vom Betriebsausflug.

Die Akten bleiben.
Die Jahre fahren mit dir nach Hause.
05
hoffnungsvoll·karte

Die freie Bank

Du hast Jahre lang Plätze verteilt,
Termine verschoben, Lösungen gesucht.

Nun wartet im Park eine freie Bank.
Sie verlangt keine Entscheidung.
06
warm·rede

Kein Abschlussbericht

Für diesen Abschnitt gibt es
keinen Abschlussbericht.

Nur Kuchenkrümel, Umarmungen,
eine Tür, die leise zufällt,
und draußen sehr viel unverplante Luft.
07
hoffnungsvoll·rede

Der erste Montag ohne Plan

Der Wecker schweigt, doch du bist wach.
Draußen fahren Menschen zur Arbeit,
während in deiner Küche langsam
der erste Kaffee des Montags duftet.

Kein Termin wartet hinter der Stunde,
kein Telefon verlangt eine Antwort.
Du öffnest die Tür zum Garten
und merkst, wie ungewohnt weit
ein Vormittag werden kann,
wenn niemand ihn schon verplant hat.