7 Gedichte

Lustige Gedichte zum 85. Geburtstag

Sechs neue lustige Gedichte zum 85. Geburtstag über Kuchen, Familienchat, Erfahrung und selbstbestimmten Alltag, freundlich statt herablassend.

Mit fünfundachtzig hat man viele Glückwünsche bereits in ähnlicher Form gehört. Umso besser funktionieren genaue Beobachtungen: der streng bewachte Lieblingssessel, ein Familienchat voller Symbole oder die eigene Vorstellung von einer gelungenen Feier.

Diese Originalgedichte scherzen nicht über körperliche Grenzen oder Vergesslichkeit. Ihr Humor entsteht aus Alltag, Erfahrung und der Freiheit, höfliche Erwartungen mit einem trockenen Satz beiseitezuschieben.

01
verschmitzt·feier

Fünfundachtzig aus Zuckerguss

Die Zahl aus Zuckerguss
liegt mitten auf der Torte.

Du schneidest genau daneben,
weil Zahlen zu süß seien.
Beim zweiten Stück verschwindet
dann doch die ganze Fünf.
02
selbstbestimmt·vorlesen

Der reservierte Sessel

Dein Sessel ist reserviert,
ein Schild hängt an der Lehne.

Du setzt dich auf den Küchenstuhl,
weil dort die Gespräche besser sind.
Fünfundachtzig bedeutet auch,
Reservierungen selbst zu ändern.
03
trocken·teilen

Familienchat mit Konfetti

Das Telefon zeigt Konfetti,
Herzen und tanzende Torten.

Du antwortest mit einem Punkt.
Alle fragen, ob etwas fehlt.
Du schreibst: Nein,
ich wollte nur gründlich danken.
04
gelassen·kaffeetafel

Fünf Kaffeesorten

Für die Gäste stehen bereit
fünf Sorten Kaffee und Tee.

Du trinkst wie jeden Morgen
den einfachen aus deiner Tasse.
Eine gute Feier braucht Auswahl,
aber nicht zwingend Veränderung.
05
heiter·ansprache

Rede mit Zeitlimit

Wir beginnen eine Ansprache
über fünfundachtzig bewegte Jahre.

Du stellst den Küchenwecker
auf genau vier Minuten.
Er klingelt beim dritten Abschnitt.
Der Applaus beginnt sehr pünktlich.
06
ruhig·karte

Morgen ohne Feier

Morgen sind die Gäste fort,
das Geschirr wieder im Schrank.

Du öffnest wie gewohnt
die Zeitung am Küchentisch.
Ein großes Alter passt
auch in einen stillen Montag.
07
heiter·rede

Fünfundachtzig und keine Eile

Mit fünfundachtzig kennt man Wege,
die auf keiner Karte stehen.
Man weiß, welche Torte zuerst verschwindet
und wer bei Reden heimlich auf die Uhr schaut.

Darum lassen wir uns heute Zeit.
Die Kerzen dürfen einzeln brennen,
der Kaffee bekommt eine zweite Runde,
und falls jemand nach dem Alter fragt,
sagen wir freundlich: gezählt wird morgen,
heute wird nur gefeiert.