7 Gedichte

Clown-Gedichte

Sieben neue Gedichte über Clowns, Bühne, Handwerk, Scheitern und das feine Gleichgewicht zwischen Komik und Traurigkeit.

Clowns arbeiten mit Körper, Timing, Blicken und genau vorbereiteten Fehlern. Hinter scheinbarer Tollpatschigkeit steckt oft präzises Bühnenhandwerk.

Diese Originalgedichte verzichten auf die einfache Gleichung von Schminke und verborgener Traurigkeit. Sie zeigen unterschiedliche Momente vor, während und nach einer Vorstellung.

01
spielerisch·vorlesen

Zu große Schuhe

Die Schuhe sind zu groß,
doch jeder Schritt sitzt genau.
Der Clown stolpert an der Stelle,
die wochenlang geprobt wurde.
Das Publikum lacht über Zufall,
der in Wahrheit pünktlich kommt.
02
konzentriert·lesen

Vor dem Spiegel

Ein weißer Strich, rote Farbe,
dann ein prüfender Blick.
Hinter der Tür werden Plätze gesucht,
Papier raschelt im Saal.
Der Clown atmet ruhig ein
und setzt das erste Lächeln auf.
03
zart·schule

Der stumme Hut

Der Hut fällt vom Kopf,
rollt bis an die Bühnenkante.
Ein Kind hebt ihn auf
und wartet auf ein Wort.
Der Clown verbeugt sich schweigend;
der Saal versteht trotzdem.
04
sachlich·lesen

Hinter dem Vorhang

Hinter dem Vorhang trinkt jemand Wasser,
prüft Schnürsenkel und Requisiten.
Das Lachen draußen klingt weiter,
obwohl die Bühne leer ist.
Komik braucht ebenfalls Pausen,
damit der nächste Fall gelingt.
05
lebhaft·vorlesen

Eine echte Panne

Diesmal bricht der Stuhl wirklich,
nicht wie sonst geplant.
Der Clown hält kurz inne,
baut den Fehler ins Spiel.
Das Publikum merkt nur,
wie Gegenwart erfinderisch wird.
06
ruhig·karte

Abschminken

Warmes Wasser löst die Farbe,
der rote Mund wird blass.
Im Flur fährt ein Besen
durch Konfetti und Staub.
Die Vorstellung endet nicht traurig,
nur ordentlich für heute.
07
leise·vorlesen

Nach der letzten Vorstellung

Nach der letzten Vorstellung wischt der Clown
die rote Farbe langsam vom Mund.
Im Zelt klappen Helfer Bänke zusammen,
Sägemehl klebt noch an seinen Schuhen.
Das Lachen des Publikums ist fort,
doch eine Papierblume steckt im Knopfloch.
Er lässt sie bis zum Morgen dort
und trägt sein stilles Gesicht
durch den leeren Wohnwagenplatz.