7 Gedichte

Gedichte für Mama und Papa

Sieben neue Gedichte für Mama und Papa über Familienalltag, Dankbarkeit, Unterschiede, erwachsene Kinder und Beziehungen ohne perfekte Elternbilder.

Eltern zeigen Fürsorge oft in wiederholten Handlungen: eine Brotdose füllen, am Bahnhof warten oder bei einem Umzug dieselbe Lampe dreimal neu befestigen. Diese Gesten können nah sein, ohne eine Familie perfekt zu machen.

Die folgenden Originalgedichte sprechen aus verschiedenen Lebensphasen und lassen auch Abstand oder Uneinigkeit zu. Sie eignen sich für Karten und gemeinsame Anlässe, ohne Dankbarkeit vorzuschreiben oder schwierige Erfahrungen zu übergehen.

01
dankbar·karte

Brotdose am Morgen

Ihr habt die Brotdose gefüllt,
bevor ich richtig wach war.

Das Brot lag manchmal schief,
der Apfel wurde braun.
Heute erkenne ich Fürsorge
an diesen unvollkommenen Pausen.
02
warm·vorlesen

Warten am Bahnhof

Mein Zug hat Verspätung,
ihr steht trotzdem am Gleis.

Papa prüft die Anzeige,
Mama hält meine alte Jacke.
Ich bin längst erwachsen
und werde noch immer abgeholt.
03
verschmitzt·karte

Die Lampe im neuen Zimmer

Beim Umzug hängt die Lampe
erst zu tief, dann zu hoch.

Wir diskutieren über Dübel,
Abstand und meine Geduld.
Am Abend leuchtet sie
über unserem beigelegten Streit.
04
aufrichtig·lesen

Nicht eurer Meinung

Ich wähle einen anderen Weg,
als ihr ihn wählen würdet.

Wir müssen ihn nicht
gemeinsam richtig finden.
Es hilft, dass eure Tür
auch ohne Einigkeit offen bleibt.
05
vertraut·nachricht

Der Sonntagsanruf

Sonntag ruft ihr an,
meist kurz vor dem Essen.

Wir reden über Wetter,
Arbeit und den tropfenden Hahn.
Zwischen gewöhnlichen Sätzen
hält unsere Woche Verbindung.
06
ruhig·karte

Zwei Stühle im Garten

Im Garten stehen zwei Stühle
unter dem alten Apfelbaum.

Ihr sitzt nicht immer dort,
und nicht immer nebeneinander.
Doch beide Plätze gehören
zu demselben langen Nachmittag.
07
verbunden·karte

Das Sonntagsgespräch

Am Sonntag rufe ich euch an.
Papa berichtet ausführlich vom Garten,
Mama fragt, ob ich genug esse.
Im Hintergrund klappert vertrautes Geschirr,
die Uhr im Flur schlägt zu früh.
Wir sagen nichts Außergewöhnliches.
Doch als das Gespräch endet,
ist meine kleine Wohnung für einen Moment
nicht mehr ganz so weit von euch entfernt.