7 Gedichte

Gedichte für Senioren zum Ausdrucken

Neue gut lesbare Gedichte für Seniorinnen und Senioren – mit klarer Sprache, großer Druckansicht und unterschiedlichen Stimmungen.

Gut vorlesbare Gedichte brauchen keine Kindersprache. Sie brauchen einen klaren Rhythmus, konkrete Bilder und Zeilen, die auch in größerer Schrift ihre Form behalten.

Diese Auswahl reicht vom heiteren Frühstück bis zu Erinnerung und Gegenwart. Über die Druckansicht lässt sie sich ohne Navigation und Bedienelemente ausgeben.

01
heiter·vorlesen

Der rote Schal

Im Flur hängt noch der rote Schal,
zu warm für diesen Morgen.

Ich nehme ihn trotzdem mit.
Man weiß nie,
welche Farbe ein grauer Tag
noch brauchen wird.
02
heiter·vorlesen

Dienstag im Café

Am Dienstag sitzt Herr Krüger
immer am Tisch zur Tür.
Er bestellt Kaffee, liest die Zeitung
und widerspricht dem Wetterbericht.

Draußen regnet es.
Herr Krüger bleibt bei Sonne.
03
nachdenklich·ausdruck

Die alte Uhr

Sie geht seit Jahren sieben Minuten vor.
Niemand bringt sie mehr zur Reparatur.

Vielleicht ist das ihr kleines Vermächtnis:
Für jeden Abschied etwas zu früh,
für jede Freude
noch rechtzeitig zu sein.
04
ruhig·vorlesen

Kartoffeln schälen

Die Hände kennen den Weg:
Schale, Messer, dünne Spirale.

Manches Gedächtnis wohnt
nicht hinter der Stirn,
sondern wartet geduldig
in den Fingern.
05
warm·ausdruck

Fensterplatz

Der Bus fährt dieselbe Strecke,
doch kein Morgen ist derselbe.

Heute trägt der Fluss Silber,
ein Kind zählt rote Autos,
und an der dritten Haltestelle
steigt ein alter Freund ein.
06
ruhig·vorlesen

Heute

Nicht früher. Nicht irgendwann.
Heute steht die Tasse hier,
das Brot ist noch warm,
vor dem Fenster streitet eine Amsel.

Der Tag ist klein genug,
um ihn ganz anzusehen.
07
ruhig·vorlesen

Nachmittag am offenen Fenster

Das Fenster steht offen, obwohl der Wind
die Zeitung auf dem Tisch bewegt.
Im Hof schiebt jemand ein Fahrrad,
eine Nachbarin gießt ihre Geranien,
und aus der Küche kommt Kaffeeduft.

Ich muss heute nichts festhalten.
Die Stunden dürfen langsam vorbeigehen,
während meine Hände im Schoß ruhen
und jedes vertraute Geräusch
seinen Platz im Nachmittag findet.