7 Gedichte

Lustige Gedichte für Senioren

Neue humorvolle Gedichte für Seniorinnen und Senioren – gut lesbar, alltagsnah und freundlich statt albern.

Humor im Alter braucht keine Witze über Gebrechen. Oft reicht ein genauer Blick auf Lesebrillen, Fahrpläne, Familienchats und die kleinen Umwege eines gut gefüllten Tages.

Diese Originalgedichte sind klar gesetzt und eignen sich zum Vorlesen, Ausdrucken oder Teilen. Ihr Humor bleibt freundlich und nimmt lieber den Alltag als die Menschen auf die Schippe.

01
heiter·vorlesen

Die Lesebrille

Die Lesebrille wird vermisst,
obwohl sie gut zu sehen ist.

Sie sitzt seit einer halben Stunde
ganz oben auf der Stirn.

Ich suche weiter, sehr gewissenhaft.
Man braucht schließlich Bewegung.
02
verschmitzt·teilen

Der Familienchat

Das Enkelkind schickt sieben Herzen,
der Sohn ein Bild vom Mittagessen.

Ich antworte mit dem Daumen,
versehentlich gleich viermal.

Nun glauben alle, ich sei begeistert.
Das stimmt sogar ungefähr.
03
trocken·vorlesen

Der Bus um halb zehn

Der Bus kommt heute sieben Minuten später.
Wir stehen zu fünft und wissen warum:
Baustelle, Wetter oder Weltlage.

Als er endlich um die Ecke biegt,
sind wir uns in allem einig –
nur nicht mehr in der Ursache.
04
genüsslich·kaffeetafel

Der Kuchenplan

Montag soll es weniger Zucker geben,
Dienstag wirklich nur ein Stück.

Mittwoch bringt die Nachbarin Käsekuchen,
Donnerstag muss der Rest noch weg.

Freitag planen wir erneut.
Ordnung ist schließlich wichtig.
05
lebhaft·veranstaltung

Tanztee

Der erste Schritt war etwas vorsichtig,
der zweite kannte schon den Weg.

Beim dritten drehte sich der Saal,
beim vierten nur mein Tanzpartner.

Wir setzen uns und lachen laut:
Die Musik hat trotzdem gewonnen.
06
gelassen·karte

Kein Termin

Heute steht nichts im Kalender.
Ich prüfe sicherheitshalber zweimal.

Dann koche ich Kaffee,
setze mich ans offene Fenster
und bin für niemanden zu spät.

So fühlt sich Luxus an.
07
heiter·vorlesen

Generalprobe für den Nachmittag

Herr Meier sucht seit zehn Minuten
die Brille, die auf seiner Nase sitzt.
Frau Schulz erklärt ihm freundlich,
dass so etwas jedem passieren kann,
und findet ihren Schlüssel im Kühlschrank.

Beim Kaffee beschließen beide,
die Sache streng geheim zu halten.
Eine Stunde später kennt der ganze Tisch
die Geschichte in drei Versionen,
und jede ist ein bisschen besser.