7 Gedichte

Gedichte über den Lebensweg

Sieben neue Gedichte über Entscheidungen, Umwege, Pausen und Begleitung auf dem Lebensweg.

Die Metapher vom Lebensweg kann schnell zur Floskel werden. Konkrete Kreuzungen, Gepäckstücke und Unterbrechungen geben ihr wieder Bedeutung.

Diese Originalgedichte vermeiden ein einziges Zielbild. Sie würdigen Richtungswechsel, Stillstand und Wege, die Menschen miteinander teilen.

01
offen·lesen

Umleitung

Die bekannte Straße ist gesperrt,
ein Schild schickt mich anders.
Der neue Weg ist länger,
führt an einem Garten vorbei.
Nicht jeder Umweg lohnt sich,
doch dieser zeigt mir Holunder.
02
gelassen·karte

Der Rastplatz

Ich setze mich auf die Bank,
obwohl andere weitergehen.
Meine Pause braucht keinen Grund
und keinen späteren Rekord.
Ein Lebensweg bleibt meiner,
auch wenn er kurz stillsteht.
03
nachdenklich·lesen

Der schwere Koffer

Im Koffer liegen Dinge,
die ich längst nicht brauche.
An der nächsten Station
lasse ich einige zurück.
Leichter werden bedeutet manchmal,
sich von Gewohntem zu trennen.
04
mutig·vorlesen

Kreuzung ohne Schild

An der Kreuzung fehlt
ein Schild für meine Frage.
Ich wähle den Weg am Fluss
und erfinde den Grund später.
Nicht jede Entscheidung wartet
auf vollständige Sicherheit.
05
innig·karte

Bis zum Bus

Du gehst mit mir
nur bis zur Bushaltestelle.
Danach fahren unsere Wege
in verschiedene Richtungen.
Begleitung wird nicht kleiner,
weil sie rechtzeitig endet.
06
ruhig·lesen

Spur im Sand

Am Strand löscht Wasser
unsere Spuren hinter uns.
Der gegangene Weg verschwindet,
doch Müdigkeit bleibt in Beinen.
Nicht alles muss sichtbar bleiben,
um wirklich gewesen zu sein.
07
zuversichtlich·nachdenken

Markierung im Nebel

Im Nebel sehe ich nur
die nächste Markierung am Baum.
Der ganze Weg bleibt unsichtbar,
auch das Ziel hinter dem Hang.
Ich gehe bis zum roten Zeichen,
dann zeigt sich ein weiteres.
Vielleicht verlangt ein Lebensweg
nicht ständig Übersicht,
sondern Vertrauen in den nächsten erreichbaren Schritt.