7 Gedichte

Gedichte über Freiheit

Sieben neue Gedichte über persönliche, politische und alltägliche Freiheit sowie ihre Verbindung zu Verantwortung und Grenzen.

Freiheit bedeutet nicht für alle dasselbe und entsteht selten ohne Bedingungen. Bewegungsraum, Sprache, Sicherheit, Zeit und gesellschaftliche Rechte entscheiden mit darüber, wer wählen kann.

Diese Originalgedichte vermeiden leere Parolen. Sie zeigen Freiheit in konkreten Situationen und fragen zugleich, wo die Freiheit anderer beginnt.

01
ernst·diskussion

Eine Tür ohne Schloss

Die Tür steht offen,
doch nicht jeder kann gehen.
Manche halten Sorge, Geld
oder fremde Entscheidungen zurück.
Freiheit beginnt nicht am Ausgang,
sondern bei einer wirklichen Wahl.
02
konkret·schule

Freier Fahrradweg

Zum ersten Mal führt ein Radweg
sicher durch die breite Kreuzung.
Ein Kind fährt neben dem Vater,
ohne zwischen Autos zu zittern.
Manchmal wird Freiheit
aus Farbe, Raum und Regeln gebaut.
03
selbstbestimmt·karte

Der eigene Name

Du sprichst deinen Namen aus,
wie du ihn selbst gewählt hast.
Ein Formular braucht noch Erklärung,
deine Freunde längst nicht mehr.
Freiheit klingt heute
wie eine richtige Anrede.
04
nachdenklich·lesen

Grenze am Fluss

Der Fluss kennt keine Ausweise,
Menschen am Ufer schon.
Eine Brücke verbindet Landschaften
und kontrolliert zugleich jeden Schritt.
Freiheit bleibt ungleich verteilt,
selbst unter demselben Himmel.
05
klar·vorlesen

Dein Nein

Dein Nein ist kein Hindernis,
das andere überwinden dürfen.
Es setzt eine klare Grenze
und schützt deinen eigenen Raum.
Freiheit zeigt ihre Würde,
wenn Zustimmung wirklich nötig bleibt.
06
hoffnungsvoll·veranstaltung

Platz im Chor

Im Chor singt jede Stimme
eine festgelegte eigene Linie.
Keine muss allein alles tragen,
keine darf die anderen ersticken.
Vielleicht klingt Freiheit dort,
wo Unterschiede gemeinsam Raum bekommen.
07
frei·nachdenken

Das offene Tor

Am alten Flugplatz steht das Tor offen.
Kein Schild erklärt, wie weit man gehen darf.
Das Gras wächst über frühere Markierungen,
der Wind schiebt Wolken ohne Erlaubnis.
Ich trete auf die leere Bahn
und spüre nicht grenzenlose Freiheit,
sondern Verantwortung für den eigenen Schritt:
Niemand hält mich fest,
niemand wählt die Richtung für mich.