7 Gedichte

Gedichte zum Frauentag

Sieben neue Gedichte zum Internationalen Frauentag über Rechte, Arbeit, Solidarität und selbstbestimmtes Leben.

Der Internationale Frauentag ist mehr als ein Anlass für Blumen. Er erinnert an politische Kämpfe, ungleiche Arbeit, Gewalt, fehlende Repräsentation und Fortschritte, die verteidigt werden müssen.

Diese Originalgedichte verbinden Würdigung mit konkretem gesellschaftlichem Blick. Sie vermeiden oberflächliche Komplimente und sprechen Frauen nicht als einheitliche Gruppe an.

01
kritisch·veranstaltung

Nicht nur Blumen

Stell die Blumen gern auf den Tisch,
aber leg die Zahlen daneben:
Lohn, Sorgearbeit, Redezeit, Sicherheit.
Ein schöner Strauß ersetzt keine Rechte.
Er darf höchstens dort duften,
wo wir weiter an ihnen arbeiten.
02
würdig·vorlesen

Achter März

Ein Datum trägt Stimmen
aus Fabriken, Straßen und Parlamenten.
Nicht alle forderten dasselbe,
doch keine Freiheit kam von allein.
Der achte März erinnert uns:
Geschichte braucht gegenwärtige Hände.
03
sachlich·schule

Schichtwechsel

Eine Frau beendet Nachtdienst,
eine andere bringt Kinder zur Schule.
Im Bus kreuzen sich Wege
bezahlter und unbezahlter Arbeit.
Der Frauentag beginnt früh
und kennt keinen einzigen Arbeitsplatz.
04
solidarisch·veranstaltung

Unsere Unterschiede

Wir teilen nicht dieselbe Herkunft,
den gleichen Körper oder Alltag.
Solidarität verlangt keine Gleichheit,
sondern aufmerksames Zuhören.
Ein gemeinsamer Schritt wird stärker,
wenn Unterschiede nicht verschwinden müssen.
05
ermutigend·vorlesen

Am Mikrofon

Sie tritt ans Mikrofon,
die Hände sichtbar nervös.
Der erste Satz zittert,
der zweite steht schon fester.
Hinter ihr warten weitere Stimmen,
nicht als Echo, sondern Fortsetzung.
06
entschlossen·karte

Am neunten März

Am neunten März bleiben
dieselben Aufgaben auf dem Tisch.
Darum endet der Frauentag nicht
mit Reden und violetten Bannern.
Gerechtigkeit braucht einen Kalender,
der jeden Morgen geöffnet wird.
07
entschlossen·vortrag

Nach der letzten Schicht

Nach der letzten Schicht verlassen Frauen
das Krankenhaus, die Fabrik, den Laden.
Manche holen Kinder, andere pflegen Eltern,
viele tragen unbezahlte Stunden nach Hause.
Eine Blume am Frauentag ist freundlich,
aber sie ersetzt keine gerechte Bezahlung.
Darum feiern wir Stärke
und sprechen zugleich darüber,
was sich noch immer ändern muss.