7 Gedichte

Gedichte zum Verabschieden

Neue Gedichte zum Verabschieden bei Umzug, Schulwechsel, Jobwechsel oder persönlichem Aufbruch – klar und ohne leere Floskeln.

Beim Abschied passen die vorbereiteten Sätze oft nicht mehr zur Situation. Der Zug fährt ein, die letzte Kiste steht im Flur oder jemand gibt einen Büroschlüssel ab, bevor alle Worte sortiert sind.

Diese Gedichte begleiten verschiedene Arten des Verabschiedens. Sie versprechen nicht automatisch ein Wiedersehen und lassen sowohl Dankbarkeit als auch Erleichterung, Unsicherheit oder einen klaren Schluss zu.

01
leise·umzug

Die letzte Kiste

Die letzte Kiste steht im Flur,
mit Pflanzen schief beschriftet.

Wir prüfen leere Schränke,
finden noch eine einzelne Gabel.
Dann trägst du sie in der Hand
mit hinaus aus diesem Haus.
02
sachlich·beruf

Schlüssel auf dem Schreibtisch

Du legst den Büroschlüssel
neben die leere Kaffeetasse.

Wir haben eine Karte unterschrieben,
zu viele Namen, wenig Platz.
Morgen öffnet jemand anderes
die Tür mit deinem alten Metall.
03
wehmütig·schule

Am Schultor im Juli

Die Zeugnisse stecken in Taschen,
das Tor steht weit offen.

Wir versprechen, uns zu schreiben,
und glauben es in diesem Moment.
Dann fahren drei Busse
in verschiedene Richtungen ab.
04
dankbar·karte

Kein großer Satz

Ich finde keinen großen Satz,
der zu diesem Abschied passt.

Darum sage ich danke
für die gewöhnlichen Dienstage,
die geteilten Pausen
und deinen Platz neben mir.
05
klar·lesen

Die Tür fällt nicht zu

Die Tür fällt nicht zu,
sie bleibt einen Spalt offen.

Du gehst noch einmal zurück,
ziehst sie ruhig ins Schloss.
Manche Abschiede brauchen
keine Wut, um endgültig zu sein.
06
gelassen·nachricht

Winken an der Kreuzung

An der Kreuzung trennen sich
unsere Wege ohne Bahnhof.

Du hebst kurz die Hand,
ich bleibe noch stehen.
Dann wird die Ampel grün,
und beide Seiten gehen weiter.
07
nachdenklich·vorlesen

Nach dem letzten Winken

Der Zug fährt an, erst langsam,
dann verschwimmt dein Gesicht im Fenster.
Ich bleibe auf dem Bahnsteig stehen,
bis nur noch rote Lichter sichtbar sind.

Abschied ist dieser seltsame Moment,
in dem Nähe ihre Richtung ändert.
Was eben noch neben mir atmete,
wird Erinnerung, Nachricht und Erwartung.
Ich gehe heim durch denselben Bahnhof,
aber nicht ganz auf demselben Weg.