7 Gedichte

Kussgedichte

Sieben neue Gedichte über Küsse, Zustimmung, Abschied und unterschiedliche Formen von Nähe.

Ein Kuss kann zärtlich, freundschaftlich, feierlich oder unerwünscht sein. Gute Liebeslyrik setzt Nähe nie automatisch voraus.

Diese Originalgedichte verbinden konkrete Situationen mit klaren Grenzen. Sie vermeiden Besitzsprache und übersteigerte Versprechen.

01
zärtlich·lesen

Vor dem ersten Kuss

Du fragst nicht mit Worten,
aber wartest nah genug.
Ich nicke, du kommst näher.
Der erste Kuss beginnt
mit einem bemerkten Einverständnis.
02
wehmütig·karte

Am Bahnhof

Ein kurzer Kuss,
dann schließt die schwere Zugtür.
Unsere Gesichter entfernen sich,
die Scheibe bleibt dazwischen.
Der Abschied hat
heute einen pünktlichen Fahrplan.
03
behutsam·karte

Auf die Stirn

Du küsst meine Stirn,
als ich kaum sprechen kann.
Die Geste löst nichts,
aber bleibt ohne Forderung.
Trost kann sehr leise sein.
04
klar·diskussion

Nicht heute

Du möchtest mich küssen,
ich sage heute nein.
Dein Abstand bleibt freundlich,
der Abend wird nicht kalt.
Respekt ist ebenfalls Nähe.
05
heiter·vorlesen

Zwischen Tür und Einkauf

Zwischen Tür und Einkauf
trifft dein Kuss meine Wange.
Die Milch wird warm,
der Schlüssel fällt fast hin.
Liebe kennt unpraktische Sekunden.
06
warm·lesen

Zur Begrüßung

Wir küssen uns zur Begrüßung
leicht auf beide Wangen.
Keine große Liebesgeschichte,
nur ein vertrautes Ritual.
Auch Freundschaft
hat ihre körperlichen Sprachen.
07
zärtlich·karte

Bahnsteig drei

Der Zug steht schon am Bahnsteig,
die Anzeige zählt zwei Minuten.
Wir sprechen über Schlüssel, Nachrichten,
alles, was nicht vergessen werden darf.
Dann schließt dein Kuss den Lärm aus,
kurz genug für keine große Szene.
Die Türen piepen, du steigst ein,
und auf meinen Lippen bleibt
die Wärme einer Reise, die erst beginnt.