7 Gedichte

Originale Gedichte der Schwarzen Romantik

Sieben neue Gedichte mit Motiven der Schwarzen Romantik: Doppelgänger, verlassene Häuser, Nachtlandschaften und verstörende Übergänge zwischen Vernunft und Traum.

Schwarze Romantik arbeitet mit Angst, Geheimnis und dem Unheimlichen. Diese Seite versammelt keine historischen Werke, sondern eigenständige neue Gedichte mit verwandten Motiven.

Die Texte imitieren keine bestimmte Autorin und keinen bestimmten Autor. Sie nutzen dunkle Räume, psychologische Brüche und offene Enden für eine heutige Lektüre.

01
unheimlich·vorlesen

Der zweite Schatten

Unter der einzigen Laterne
wirft mein Körper zwei Schatten.
Der erste folgt jedem Schritt,
der andere wartet am Tor.
Als das Licht erlischt,
höre ich nur einen weitergehen.
02
beklemmend·lesen

Das vermauerte Zimmer

Nachts klopft es dreimal
hinter der frisch gestrichenen Wand.
Der Bauplan zeigt dort nichts,
doch Staub fällt aus einer Fuge.
Am Morgen ist mein Bett
einen Handbreit näher gerückt.
03
düster·vorlesen

Der verspätete Spiegel

Ich verlasse den Flur,
mein Spiegelbild bleibt noch stehen.
Es hebt langsam die Hand,
obwohl meine längst gesunken ist.
Seitdem bedecke ich das Glas
vor jedem Abschied mit Tuch.
04
phantastisch·schule

Aschengarten

Im Garten blühen schwarze Kelche
nur während eines Gewitters.
Wer einen pflückt, findet Asche
und riecht ein fremdes Zimmer.
Ich lasse alle stehen,
doch einer wächst im Haus.
05
rätselhaft·lesen

Der Brief vom nächsten Tag

Der Umschlag trägt das Datum
des noch ungelebten Morgens.
Darin steht nur mein Name,
geschrieben mit zitternder Hand.
Ich kenne die Schrift
und öffne trotzdem die Haustür.
06
bedrohlich·vorlesen

Keine Spuren zurück

Der Schnee bewahrt jeden Schritt
bis zur Mitte des Waldes.
Dort enden meine Spuren,
obwohl ich weiter vor mir gehe.
Hinter mir fällt leise Schnee
auf einen vollkommen glatten Weg.
07
unheimlich·lesen

Das Haus ohne Spiegel

Hinter dem Moor steht ein Haus,
dessen Fenster kein Morgen erreicht.
Im Flur hängen leere Rahmen,
die Tapete atmet bei jedem Schritt.
Ich suche den Spiegel aus Kindertagen,
doch finde nur eine dunkle Stelle.
Darin bewegt sich mein Gesicht
einen Herzschlag später als ich
und lächelt, bevor ich es tue.