7 Gedichte

Wikinger-Gedichte

Sieben neue Gedichte über Menschen der Wikingerzeit, Seefahrt, Handel und archäologische Spuren ohne romantische Heldenverklärung.

Der Begriff Wikinger bezeichnet keine einheitliche Nation und nicht nur Krieger. Handel, Handwerk, Landwirtschaft und Migration gehörten ebenso zur skandinavischen Wikingerzeit.

Diese Originalgedichte unterscheiden belegbare Lebenswelten von moderner Fantasie. Sie imitieren keine historischen Sagas und schreiben realen Personen nichts zu.

01
erdverbunden·schule

Im Langhaus

Rauch sammelt sich
unter dem Dach des Langhauses.
Am Feuer wird gekocht,
Wolle gedreht und Werkzeug repariert.
Geschichte riecht hier
nach Arbeit, Holz und Nähe.
02
sachlich·vorlesen

Am Handelsplatz

Am Handelsplatz wechseln
Perlen, Fell und Silber die Hände.
Sprachen mischen sich
zwischen Waagen und Booten.
Die Wikingerzeit reiste
nicht nur mit Schwertern.
03
würdig·schule

Das Segel

Am Webstuhl entsteht
aus Wolle ein großes Segel.
Viele Hände und Wochen
liegen später im Wind.
Seefahrt beginnt
lange vor dem Ablegen.
04
nachdenklich·lesen

Der Kamm im Boden

Im Boden findet
eine Archäologin einen kleinen Kamm.
Zinken fehlen, Knochen bleibt,
der Name des Besitzers nicht.
Ein Alltagsding erzählt
ohne vollständige Biografie.
05
ernst·vorlesen

Über das Nordmeer

Das offene Boot steigt
zwischen kalten Wellen.
Navigation folgt Küste, Sonne,
Erfahrung und günstiger Jahreszeit.
Mut allein
hätte kein Ziel gefunden.
06
klar·schule

Der Helm ohne Hörner

Im Museum trägt
der alte Helm keine Hörner.
Ein Kind zeigt überrascht
auf die schlichte eiserne Form.
Manche Vergangenheit
muss aus Bildern befreit werden.
07
historisch·unterricht

An der Werft

Am kalten Fjord wird ein Schiff gebaut.
Äxte arbeiten durch helles Holz,
Pech liegt schwer in der Luft.
Nicht jeder denkt an Ruhm und Beute.
Eine Frau prüft Nähte im Segel,
ein Junge trägt Wasser zur Werkstatt.
Bevor das Schiff Geschichte werden kann,
braucht es Hände, Geduld
und einen Rumpf, der den Winter aushält.