6 Gedichte

Gedichte zum Abschied vom Hund

Behutsame kurze und längere Originalgedichte über den Tod eines Hundes, gemeinsame Wege, leere Plätze und dankbare Erinnerung.

Der Tod eines Hundes verändert den Alltag: Leine, Napf, Türgeräusche und vertraute Wege bleiben, obwohl der Gefährte fehlt.

Diese Gedichte nehmen Tiertrauer ernst. Sie versprechen keine einfache Heilung, sondern geben Schmerz, Dankbarkeit und konkreten Erinnerungen unterschiedlichen Raum.

01
traurig·gedenken

Die leere Leine

Die Leine hängt noch an der Tür.
Niemand zieht zum Park.
Doch wenn ich sie berühre,
spüre ich alle Wege,
die wir gemeinsam gegangen sind.
02
still·gedenken

Dein Platz am Fenster

Auf der Decke liegt Sonnenlicht.
Früher lagst du mittendrin.
Heute wärmt es nur den Stoff
und wandert langsam weiter,
als suche es dich im Zimmer.
03
wehmütig·lesen

Runde im Regen

Ich gehe unsere Runde allein.
An jeder Hecke wartet Gewohnheit,
bei jedem Baum wird mein Schritt langsamer.
Der Regen füllt deine Pfotenabdrücke nicht,
doch er begleitet mich bis nach Hause.
04
erinnernd·gedenken

Der Ball unter dem Schrank

Beim Putzen finde ich deinen Ball,
staubig unter dem Wohnzimmerschrank.
Ich hebe ihn auf und höre fast
deine Krallen über den Boden eilen.
Dann lege ich ihn nicht zurück,
sondern sichtbar auf das Regal.
05
dankbar·gedenken

Was von dir bleibt

Von dir bleibt mehr als ein Halsband,
ein Foto und Haare im alten Mantel.
Es bleibt, wie ich Türen vorsichtiger öffne,
weil du immer dahinter schlafen konntest.
Es bleibt mein Blick auf jeden Weg,
den du neugierig geprüft hättest.
Und wenn ich heute langsamer gehe,
dann nicht, weil du noch neben mir bist,
sondern weil du mir gezeigt hast,
wie viel ein Weg enthalten kann.
06
tröstlich·abschied

Der letzte Nachmittag

Am letzten Nachmittag war das Zimmer ruhig.
Meine Hand lag auf deinem warmen Fell,
während draußen ein Lieferwagen hielt
und irgendwo Geschirr gespült wurde.
Die Welt verstand unseren Abschied nicht,
sie lief in gewöhnlichen Geräuschen weiter.
Vielleicht war genau das ein Trost:
Du gingst nicht aus dem Leben hinaus,
sondern mitten aus einem vertrauten Tag.