7 Gedichte

Gedichte für die Tochter

Sieben neue Gedichte für eine Tochter über Nähe, Selbstständigkeit, Streit und bleibende Verbindung.

Eine Tochter bleibt kein Kind und gehört niemandem. Zuneigung zeigt sich auch darin, ihre Entscheidungen, Grenzen und eigene Lebensweise ernst zu nehmen.

Diese Originalgedichte sprechen aus elterlicher Perspektive ohne Besitzanspruch. Sie passen zu Karten, Gesprächen und persönlichen Anlässen.

01
innig·karte

Dein eigener Schlüssel

Dein Schlüssel passt zu einer Tür,
die wir nicht täglich öffnen.
Du richtest Räume nach dir ein,
triffst Entscheidungen ohne uns.
Wir vermissen deine Schritte
und freuen uns über ihre Richtung.
02
ehrlich·lesen

Nach unserem Streit

Nach unserem Streit blieb
das Telefon zwei Tage still.
Dann schicktest du ein Foto
von Regen auf deinem Balkon.
Keine Entschuldigung, aber eine Brücke,
über die wir langsam gingen.
03
respektvoll·vorlesen

Nicht mein Spiegel

Du bist nicht mein Spiegel,
auch wenn andere Ähnlichkeiten zählen.
Deine Wünsche brauchen keine Wiederholung
meiner versäumten Wege.
Ich möchte dich erkennen,
nicht in mir wiederfinden.
04
nostalgisch·karte

Die rote Mütze

Auf jedem Winterfoto trägst du
dieselbe rote Mütze.
Heute liegt sie in einer Kiste,
doch dein Lachen klingt vertraut.
Erinnerung hält ein Kind fest,
Liebe lässt die Erwachsene gehen.
05
nachdenklich·lesen

Deine Nachricht am Dienstag

Du schreibst nur: Viel Arbeit,
melde mich am Wochenende.
Ich tippe drei Fragen,
lösche zwei davon wieder.
Fürsorge darf warten lernen,
ohne gleich weniger zu werden.
06
warm·karte

Wenn du zurückkommst

Wenn du zurückkommst,
steht dein Becher noch im Schrank.
Nicht als reservierter Platz,
sondern für einen freien Besuch.
Du kannst bleiben oder weiterfahren;
beides wird willkommen sein.
07
stolz·karte

In deiner neuen Küche

In deiner neuen Küche stehen
zwei Tassen und noch keine Vorhänge.
Du zeigst mir Schubladen, Pläne,
den wackeligen Tisch vom Flohmarkt.
Ich sehe nicht mehr das Kind,
das auf einen Stuhl klettern musste.
Ich sehe dich entscheiden, improvisieren, wohnen
und bin stolz genug,
nicht alles besser wissen zu müssen.