7 Gedichte

Gedichte über Blumen

Sieben neue Gedichte über Blumen in Garten, Stadt, Arbeit und persönlichen Erinnerungen.

Blumen sind mehr als Symbole für Schönheit. Sie werden gezogen, verkauft, gepflegt, verschenkt und manchmal aus ökologischen oder persönlichen Gründen bewusst stehen gelassen.

Diese Gedichte zeigen konkrete Pflanzen und Handlungen. Sie vermeiden einen austauschbaren Strauß romantischer Bilder.

01
warm·lesen

Der Marktstrauß

Die Händlerin bindet Tulpen
mit einem grünen Band.
Drei Stiele bleiben übrig,
sie stellt sie ins eigene Glas.
Arbeit verkauft Schönheit
und behält einen kleinen Rest.
02
staunend·schule

Zwischen Pflastersteinen

Eine gelbe Blüte wächst
zwischen zwei Pflastersteinen.
Schuhe gehen knapp vorbei,
ein Fahrrad wirft Schatten.
Die Stadt lässt wenig Erde,
aber nicht überall keine.
03
nüchtern·lesen

Der verwelkte Strauß

Die Rosenköpfe hängen,
das Wasser riecht alt.
Ich löse das Papier
und bringe alles zum Kompost.
Auch ein lieber Gruß
muss nicht für immer stehen.
04
still·karte

Nachtviole

Erst am Abend wird
der Duft der Nachtviole stark.
Das Beet bleibt fast dunkel,
doch die Luft wird sichtbar.
Manche Blumen finden Aufmerksamkeit
ohne eine auffällige Farbe.
05
sachlich·vorlesen

Vor Ladenöffnung

Um sieben schneidet jemand Stiele,
füllt Eimer, wischt Blätter.
Später sehen Kundinnen nur
die fertigen leuchtenden Reihen.
Hinter jedem Blumenstrauß
steht kaltes Wasser und Arbeit.
06
achtsam·schule

Der wilde Rand

Am Rand des Rasens
bleiben Klee und Flockenblumen.
Der Mäher dreht vorher ab,
Bienen finden weiter Nahrung.
Nicht gepflegt kann manchmal
besonders sorgfältig entschieden sein.
07
warm·vorlesen

Der letzte Strauß des Tages

Kurz vor Marktschluss bindet die Händlerin
übrige Tulpen mit einem Band zusammen.
Einige Stiele sind krumm,
eine Blüte hat Regenflecken.
Ein Mann kauft den ganzen Strauß
ohne nach einem Anlass zu suchen.
Im Bus hält er ihn vorsichtig,
als trüge er einen kleinen Garten
durch den grauen Feierabend nach Hause.