7 Gedichte

Gedichte über das Meer

Neue Gedichte über Küste, Hafen, Ebbe, Wind und die wechselnde Nähe des Meeres.

Das Meer ist nicht nur Fernweh und Horizont. Es riecht nach Hafenarbeit, legt Tang auf Steine, verschiebt Wege und zwingt jeden Blick, mit Bewegung zu rechnen.

Die folgenden Gedichte beobachten konkrete Küstenmomente und lassen Ruhe, Arbeit, Unsicherheit und trockenen Humor nebeneinander stehen.

01
nachdenklich·vorlesen

Ebbe

Das Meer ist fortgegangen
und hat seine Arbeit gezeigt:
Rinnen im Sand,
Tang an den Pfählen,
einen Eimer ohne Henkel.

Abwesenheit kann
sehr genaue Spuren hinterlassen.
02
ruhig·ausdruck

Hafenmorgen

Noch vor den Möwen
klappert Metall am Kai.
Ein Motor hustet,
ein Seil wird geprüft.

Der Horizont beginnt
nicht mit Sehnsucht,
sondern mit einer Schicht.
03
warm·karte

Die Muschel

Du hältst sie ans Ohr.
Sie rauscht zuverlässig,
obwohl das Meer
drei Straßen entfernt ist.

Manche Erinnerungen
brauchen nur eine kleine Kammer.
04
heiter·vorlesen

Gegenwind

Auf dem Deich
wird jeder Satz kürzer.
Wir reden in halben Worten,
halten die Mützen fest.

Der Wind übernimmt den Rest
und trägt ihn landeinwärts.
05
hoffnungsvoll·nachdenken

Leuchtturm bei Tag

Bei Tag wirkt der Leuchtturm
fast arbeitslos.
Weiße Wand, rote Tür,
Touristen auf der Bank.

Doch Hilfe muss nicht leuchten,
um bereit zu sein.
06
stark·ausdruck

Nach dem Sturm

Am Morgen zählt der Strand
Bretter, Flaschen, Federn.
Die Fischer prüfen ihre Boote.
Kinder sammeln glattes Holz.

Jeder liest dieselbe Nacht
in einer anderen Schrift.
07
ruhig·vorlesen

Abend an der Mole

Die Fischerboote kehren einzeln zurück,
während Möwen über den Kisten kreisen.
Am Ende der Mole sitzt ein Kind
und zählt die Lichter im Hafen.

Das Meer spricht heute nicht von Ferne.
Es trägt den Geruch von Diesel, Salz
und nassen Seilen bis zu uns.
Dann sinkt die Sonne hinter die Kräne,
und jede Welle bringt die Dämmerung
ein kleines Stück näher.