7 Gedichte

Gedichte über den Regen

Neue Gedichte über Regen in Stadt und Garten, über Pfützen, Haltestellen, nasse Fenster und die Ruhe nach einem Schauer.

Regen kann einen Garten retten und denselben Nachmittag gründlich verderben. Er verändert den Klang der Straße, macht aus Schaufenstern Spiegel und bringt Menschen unter einem Vordach näher zusammen, als sie geplant hatten.

Diese Originalgedichte betrachten Regen nicht nur als Zeichen für Traurigkeit. Sie lassen Platz für Ärger, Spiel, Erleichterung und jene stille Aufmerksamkeit, die entsteht, wenn draußen alles hörbar wird.

01
lebhaft·vorlesen

Schauer an der Haltestelle

Der Regen fällt plötzlich quer,
fünf Menschen rücken zusammen.

Ein Schirm tropft auf meine Schulter,
ein Hund schüttelt sich gründlich.
Als der Bus endlich kommt,
sind wir eine nasse Gemeinschaft.
02
verspielt·schule

Die Pfütze vor der Schule

Die Pfütze liegt genau dort,
wo alle trocken bleiben sollen.

Ein Kind springt mitten hinein,
zwei weitere folgen sofort.
Der Hausmeister hebt den Besen
und wartet, bis der Jubel endet.
03
ruhig·lesen

Regen am Küchenfenster

Die Tropfen ziehen krumme Wege
über das dunkle Küchenfenster.

Der Tee wird langsam kalt,
die Uhr bemüht sich weiter.
Für zehn Minuten muss niemand
den Nachmittag in Ordnung bringen.
04
trocken·teilen

Der vergessene Schirm

Mein Schirm steht trocken im Flur,
ich stehe nass vor der Tür.

Heute Morgen schien die Sonne
mit überzeugender Miene.
Ich hänge die Jacke daneben.
Beide sagen nichts zu ihrer Verteidigung.
05
erleichtert·lesen

Wasser für den Garten

Die Erde war hart geworden,
die Blätter hingen am Zaun.

Nun trinkt das Beet geräuschlos,
der Weg wird dunkel und weich.
Ich stelle die Gießkanne zurück.
Heute arbeitet der Himmel allein.
06
beobachtend·vorlesen

Spiegel nach dem Gewitter

Nach dem Gewitter liegt die Straße
zweimal zwischen den Häusern.

Eine Hälfte trägt Autos,
die andere schwimmt in Pfützen.
Ein Fahrrad teilt das Bild,
und die Stadt wird wieder einfach.
07
hoffnungsvoll·vorlesen

Stadt nach dem Sommerregen

Der Regen kam ohne Vorwarnung
und trieb uns unter das Vordach.
Fahrräder glänzen an den Laternen,
Busse ziehen Wasser hinter sich her.

Dann öffnet sich über den Häusern
ein schmaler Streifen helles Blau.
Menschen treten wieder auf die Straße,
als hätten sie gemeinsam gewartet.
Nur in den Rinnen läuft der Schauer
noch eine Weile weiter durch die Stadt.