7 Gedichte

Gedichte über den Wald

Neue Waldgedichte über Wege, Arbeit, Tiere, Wetter und die Stille zwischen Stadt und Bäumen.

Der Wald ist mehr als eine grüne Kulisse. Er ist Arbeitsplatz, Schutzraum, Streitgegenstand, Lebensraum und ein Ort, an dem Geräusche ihre Entfernung verändern.

Diese Gedichte beobachten genau und verzichten auf eine künstlich erhabene Naturstimme.

01
ruhig·vorlesen

Nach dem Regen

Jeder Ast trägt eine Antwort
auf eine Frage aus Wasser.

Unter den Schuhen gibt der Weg nach.
Der Wald ist nicht still.
Er tropft in vielen Sprachen.
02
nachdenklich·ausdruck

Forstweg

Der Forstweg ist gerade,
die Bäume sind es nicht.

Reifenspuren, Sägemehl,
ein Handschuh auf dem Pfosten.

Auch Natur hat Schichten,
Pausenzeiten und schwere Arbeit.
03
heiter·vorlesen

Der Specht

Jemand klopft, ohne einzutreten.
Der Ton wandert von Stamm zu Stamm.

Ich warte auf eine Botschaft.
Der Specht arbeitet weiter
und schuldet mir keine Bedeutung.
04
nachdenklich·ausdruck

Am Stadtrand

Hinter dem letzten Supermarkt
beginnt der Wald nicht plötzlich.

Er schickt erst Brombeeren,
einen schiefen Zaun, zwei Birken.

Grenzen werden oft
von kleinen Dingen verhandelt.
05
stark·karte

Nachtweg

Die Taschenlampe zeigt
immer nur den nächsten Schritt.

Mehr verlangt der Wald nicht.
Vielleicht ist Mut
selten heller als das.
in dieser stillen Nacht.
06
hoffnungsvoll·nachdenken

Baumstumpf

Die Jahresringe enden offen
unter Moos und Regen.

Am Rand wächst ein Pilz.
Eine Ameisenstraße kreuzt die Mitte.

Was gefällt wurde,
ist nicht aus jeder Geschichte verschwunden.
07
still·vorlesen

Wo der Weg leiser wird

Hinter der letzten Bank wird der Weg schmal.
Fichtennadeln dämpfen unsere Schritte,
und zwischen den Stämmen hängt
der Geruch von Erde und Regen.

Ein Ast knackt, ohne sich zu zeigen.
Weiter oben arbeitet ein Specht.
Wir gehen langsamer, nicht aus Müdigkeit,
sondern weil der Wald nichts wiederholt
und jedes kleine Geräusch
nur einmal durch diesen Morgen zieht.