7 Gedichte

Gedichte über den April

Sieben neue Gedichte über den April, seine wechselnden Temperaturen, Arbeiten und frühen Zeichen des Frühlings.

Im April verändert sich die Landschaft sichtbar, aber nicht gleichmäßig. Knospen öffnen sich neben kalten Pfützen, Tiere werden aktiver, und Menschen beginnen Arbeiten, die das Wetter jederzeit unterbrechen kann.

Diese Originalgedichte betrachten den Monat ohne reine Frühlingsidylle. Stadt, Garten, Landwirtschaft und persönliche Stimmung erhalten jeweils einen eigenen Platz.

01
hoffnungsvoll·lesen

Knospen nach Frost

Am Morgen trägt der Zweig
einen dünnen Rand aus Eis.
Mittags öffnet sich eine Knospe,
als hätte sie nichts bemerkt.
Der April verlangt Geduld
von allem, was wachsen will.
02
erdverbunden·schule

Aussaat

Die Saat liegt in geraden Reihen
unter dunkler, feuchter Erde.
Noch zeigt das Beet nur Schilder
mit Namen kommender Pflanzen.
Wir gießen Möglichkeiten
und warten ohne Beweis.
03
gemütlich·lesen

Regentag im Café

Jacken dampfen an der Garderobe,
Scheiben werden milchig.
Draußen schiebt Regen Fahrräder
durch den grauen Nachmittag.
Drinnen kühlt mein Kaffee,
während wir länger bleiben.
04
wach·vorlesen

Die frühe Schwalbe

Eine Schwalbe schneidet den Himmel,
noch bevor die Wärme bleibt.
Unter dem Dach sucht sie
den vertrauten schmalen Eingang.
Ihre Rückkehr ist kein Versprechen,
aber eine mutige Probe.
05
sachlich·schule

Baustelle im Park

Wege werden neu gekiest,
eine Bank wartet ohne Lehne.
Gärtner schneiden alte Zweige,
Kinder umgehen Absperrband.
Der Park bereitet den Frühling vor
wie eine bewohnte Werkstatt.
06
ruhig·karte

Aprilabend

Nach Regen liegt Licht
auf jeder dunklen Dachkante.
Die Luft riecht nach Erde,
Busbremsen und jungen Blättern.
Der Tag war widersprüchlich
und endet dennoch klar.
07
wechselhaft·vorlesen

April mit drei Taschen

Der April trägt drei Taschen:
eine voller Sonne, eine voller Regen,
in der dritten klappert noch Graupel.
Am Morgen leert er alle gleichzeitig
über Fahrräder, Blüten und offene Jacken.
Wir fluchen, lachen, spannen Schirme auf.
Eine Stunde später trocknet der Gehweg,
als hätte dieser wechselhafte Tag
niemals etwas anderes behauptet.