7 Gedichte

Gedichte über den August

Sieben neue Gedichte über den August, über Hitze, Ernte, Ferienende, Gewitter, Stadtleben und die ersten kühleren Abende.

Im August steht der Sommer nicht still. Felder werden abgeerntet, Ferien gehen zu Ende, Gewitter brechen die Hitze, und am Abend liegt manchmal schon eine dünne Kühle über dem Balkon.

Diese Originalgedichte betrachten den Monat in Stadt und Landschaft. Sie vermeiden einen einzigen Ferienton und lassen Müdigkeit, Arbeit, Überfluss, Wetterwechsel und den kaum merklichen Übergang zum Spätsommer nebeneinanderstehen.

01
drückend·lesen

Hitze an der Haltestelle

Die Anzeige zählt Minuten,
der Asphalt hält die Wärme.

Drei Menschen suchen Schatten
hinter demselben schmalen Schild.
Als der Bus kommt,
steigt der August mit ein.
02
ruhig·vorlesen

Stoppelfeld am Abend

Das Feld ist abgeerntet,
kurze Halme halten Licht.

Ein Traktor zieht Staub
zum Rand des späten Tages.
Der Sommer wirkt leerer
und gleichzeitig vollständig.
03
wehmütig·schule

Der letzte Ferientag

Der Ranzen steht bereit,
das Freibad schließt um sieben.

Wir bleiben bis zum Pfiff,
trocknen langsam auf der Wiese.
Morgen beginnt der Stundenplan.
Heute gehört noch dem Wasser.
04
lebhaft·lesen

Gewitter über den Dächern

Die Balkontüren schlagen,
Wäsche verschwindet von Leinen.

Ein Blitz teilt den Himmel,
dann fällt Regen auf warme Steine.
Die ganze Straße atmet
für einige Minuten hörbar.
05
genüsslich·vorlesen

Tomaten auf der Fensterbank

Fünf Tomaten werden gleichzeitig rot,
zwei platzen in der Sonne.

Wir essen sie mit Salz,
noch warm vom Fensterbrett.
Im August reift manches
schneller als unser Appetit.
06
nachdenklich·karte

Die erste Jacke am Abend

Zum ersten Mal seit Wochen
nehme ich eine Jacke mit.

Mittags lag Hitze auf der Stadt,
jetzt wird der Wind kühl.
Der August geht nicht fort,
er ändert nur seine Stimme.
07
spätsommerlich·lesen

Später August am Kanal

Am Kanal wird der Augustabend langsam gold.
Fahrräder lehnen im trockenen Gras,
ein Grill raucht hinter den Bäumen.
Die Hitze hält sich noch im Stein,
doch über dem Wasser liegt Kühle.
Wir reden bis die Mücken kommen
und merken am früheren Dunkel,
dass selbst der längste Sommer
bereits seinen Abschied vorbereitet.