7 Gedichte

Gedichte über den Garten

Sieben neue Gedichte über Gartenarbeit, Jahreszeiten, Ernte und gemeinschaftlich genutzte Flächen.

Ein Garten ist kein fertiges Paradies. Erde, Wetter, Werkzeug, Tiere und menschliche Entscheidungen verändern ihn täglich.

Diese Originalgedichte zeigen Pflege und Scheitern ebenso wie Genuss. Privatgarten, Kleingarten und Gemeinschaftsbeet erhalten verschiedene Stimmen.

01
erdverbunden·schule

Der Kompost

Unter welken Blättern arbeitet
eine warme dunkle Schicht.
Kaffeesatz, Schalen und Zeit
werden zu neuer Erde.
Der Garten wirft wenig weg,
er verwandelt langsam.
02
gemeinschaftlich·lesen

Das Gemeinschaftsbeet

Sechs Namen stehen
auf einem wetterfesten Plan.
Heute gießt jemand für alle,
morgen erntet eine andere.
Gemeinschaft wächst besser,
wenn Aufgaben sichtbar bleiben.
03
achtsam·vorlesen

Der erste Spatenstich

Der Spaten trifft Erde,
die noch schwer vom Winter ist.
Ein Regenwurm krümmt sich,
ich setze ihn zur Seite.
Gartenarbeit beginnt
mit einer kleinen Rücksicht.
04
heiter·karte

Zu viele Zucchini

Im Juli werden Zucchini
schneller groß als unsere Ideen.
Wir verschenken sie an Nachbarn,
kochen Suppe, backen Kuchen.
Überfluss macht den Garten
plötzlich zum sozialen Netzwerk.
05
freundlich·schule

Der kaputte Zaun

Eine Latte hängt schief,
der Igel nutzt die Lücke.
Wir reparieren nicht alles,
sondern lassen unten Raum.
Ein guter Zaun darf
für kleine Wege offen bleiben.
06
still·lesen

Dezembergarten

Beete liegen unter Laub,
Werkzeug hängt trocken im Schuppen.
Nur Grünkohl steht aufrecht
im blassen Mittagslicht.
Der Garten schläft nicht,
er arbeitet langsamer.
07
erdverbunden·lesen

Nach dem Regentag

Nach dem Regentag hängt Erde
schwer an Schaufel und Schuhen.
Schnecken prüfen die jungen Salatblätter,
auf dem Weg glänzen zerbrochene Zweige.
Ich richte Bohnenstangen wieder auf,
binde Tomaten vorsichtig höher.
Der Garten ist keine makellose Zuflucht.
Er ist Arbeit, Verlust und Wachstum
unter demselben wechselnden Himmel.