7 Gedichte

Gedichte über den Mai

Sieben neue Gedichte über den Mai zwischen Blüte, Arbeit, Wärme und Wetterwechsel.

Im Mai verdichtet sich der Frühling. Gärten, Felder, Stadtparks und längere Abende verändern den Alltag, während Kälte und Regen weiterhin zurückkehren können.

Diese Originalgedichte vermeiden reine Blütenidylle. Sie zeigen Pflege, Pollen, Feiertage und Übergänge in konkreten Szenen.

01
sinnlich·lesen

Am Fliederweg

Über den Gartenzaun sinkt
der schwere violette Flieder.
Sein Duft folgt uns
bis zur nächsten Kreuzung.
Der Mai markiert Wege
mit unsichtbarer Farbe.
02
trocken·vorlesen

Gelber Staub

Auf der Fensterbank liegt
ein gelber Rand aus Pollen.
Ich putze ihn morgens weg,
abends ist er wieder da.
Der Mai blüht großzügig
und fragt nicht nach Allergien.
03
genüsslich·karte

Die ersten Erdbeeren

Auf dem Markt kosten Erdbeeren
noch mehr als im Juni.
Wir kaufen eine kleine Schale,
teilen sie auf der Bank.
Vorfreude schmeckt manchmal
etwas sauer und sehr langsam.
04
besorgt·schule

Frost im Mai

In der Nacht kam Frost,
Tomatenblätter hängen dunkel.
Die Gärtnerin prüft jeden Topf,
deckt andere Pflanzen früher ab.
Ein warmer Monat
kennt keine sicheren Versprechen.
05
lebhaft·vorlesen

Maiabend im Hof

Kinder fahren noch Roller,
obwohl das Abendessen wartet.
Auf Balkonen werden Stühle gerückt,
ein Radio spielt leise.
Der Mai verlängert Tage
und jede kleine Ausrede.
06
gelassen·lesen

Feiertagsregen

Der geplante Ausflug endet
unter einem Bahnhofsdach.
Thermoskanne und belegte Brote
werden trotzdem geöffnet.
Der Mai nimmt die Aussicht,
nicht unseren gemeinsamen Hunger.
07
frisch·vorlesen

Maiabend nach dem Regen

Nach dem Regen riecht der Mai
nach Asphalt, Erde und offenem Flieder.
Fahrräder ziehen glänzende Linien,
unter Dachrinnen sammeln sich Spatzen.
Die Luft ist noch kühl,
doch aus den Häusern kommen Menschen
ohne Mantel auf die Straße.
Der Abend bleibt länger als erwartet
und übt bereits ein wenig Sommer.