7 Gedichte

Gedichte über die Natur

Neue Naturgedichte über Waldsaum, Stadtbaum, Feld, Bach und Küste, genau beobachtet und ohne große fertige Botschaften.

Natur beginnt nicht erst hinter dem letzten Haus. Ein Baum zwischen Parkplätzen, Moos an einer Mauer oder ein Vogel auf dem Bauzaun verändern ebenfalls den Blick auf einen gewöhnlichen Weg.

Diese Gedichte führen in unterschiedliche Landschaften und bleiben bei konkreten Beobachtungen. Die Natur dient dabei weder als makellose Zuflucht noch als einfache Lehrmeisterin; sie wächst, stört, vergeht und überrascht.

01
nüchtern·lesen

Die Birke am Parkplatz

Zwischen weißen Linien steht
eine Birke im Asphaltkreis.

Einkaufswagen stoßen an den Rand,
Motoren wärmen ihre Blätter.
Trotzdem verteilt sie Schatten
auf jedes abgestellte Auto.
02
leicht·vorlesen

Am Rand des Feldes

Der Traktor zieht gerade Linien,
ein Hase hält sich nicht daran.

Er springt durch die Furche,
verschwindet im hohen Gras.
Die Arbeit bleibt ordentlich zurück,
der Nachmittag bekommt eine Ausnahme.
03
ruhig·lesen

Bach unter der Brücke

Unter der Brücke wird der Bach
für wenige Meter dunkel.

Er trägt ein Blatt hindurch,
einen Zweig und etwas Schaum.
Auf der anderen Seite
glänzt alles weiter, nur versetzt.
04
ernst·vorlesen

Sturmholz

Die Buche liegt quer im Wald,
Wurzeln voller heller Erde.

Schon sammelt sich Wasser
in der Mulde am Stamm.
Was gestern eine Krone war,
wird heute Boden für Käfer.
05
klar·lesen

Salzgras an der Küste

Das Gras duckt sich im Wind,
kurz, zäh und ohne Schutz.

Jede Flut bringt Salz,
jeder Sommer trocknet den Boden.
Es wächst nicht trotz dieses Ortes,
sondern genau in seinen Bedingungen.
06
staunend·karte

Abendflug der Stare

Über den Dächern drehen Stare
eine dunkle, bewegliche Form.

Kein Vogel kennt das ganze Bild,
keiner bleibt ganz allein.
Dann fällt der Schwarm in Bäume,
und der Himmel steht wieder still.
07
staunend·vorlesen

Morgen am Feldrand

Im Gras liegt noch die Kühle der Nacht.
Eine Feldlerche steigt so hoch,
dass ihr Gesang keinen Körper mehr braucht.
Am Wegesrand öffnen sich Disteln,
über denen die ersten Hummeln arbeiten.

Nichts hier wartet auf unsere Erklärung.
Der Wind bewegt die Halme,
ein Traktor zieht weit hinten seine Spur,
und der Morgen wird vollständig,
ohne dass jemand ihn betrachtet.