7 Gedichte

Gedichte über Essen

Sieben neue Gedichte über Kochen, Teilen, Arbeit, Erinnerung und ungleichen Zugang zu Essen.

Essen verbindet Geschmack mit Arbeit, Kultur, Geld und Beziehungen. Eine Mahlzeit kann Trost, Fest, Routine oder Sorge bedeuten.

Diese Originalgedichte vermeiden reine Genusswerbung. Sie zeigen Küchen, Märkte und Tische aus unterschiedlichen Perspektiven.

01
warm·lesen

Suppe für zwei

Die Suppe reicht knapp
für zwei tiefe Teller.
Du gibst Wasser und Kräuter dazu,
ich schneide das letzte Brot.
Teilen verändert die Menge
und manchmal auch den Abend.
02
würdig·vorlesen

In der Nachtbäckerei

Während die Stadt schläft,
wiegt jemand Mehl und Wasser.
Öfen heizen vor,
Teig ruht unter Tüchern.
Unser Frühstück beginnt
mit fremder Arbeit in der Nacht.
03
nostalgisch·karte

Ohne Mengenangabe

Im Rezept steht nur:
ein wenig, bis es reicht.
Ich höre deine Stimme,
obwohl du nicht mehr kochst.
Erinnerung misst Gewürze
mit einer vertrauten Hand.
04
sachlich·schule

Tablett in der Kantine

Das Tablett trägt Nudeln,
einen Apfel und Wasser.
Ein Kind schiebt Gemüse weg,
ein anderes nimmt Nachschlag.
Gemeinsames Essen zeigt
viele unterschiedliche Bedürfnisse.
05
achtsam·lesen

Kurz vor Marktschluss

Kurz vor Schluss werden
Tomaten billiger verkauft.
Eine Händlerin packt Kisten,
verschenkt Petersilie dazu.
Lebensmittel und Arbeit
sollen nicht im Abfall enden.
06
ernst·diskussion

Der leere Kühlschrank

Im Kühlschrank brennt Licht
auf einem halben Glas Senf.
Der Monat hat noch Tage,
das Geld kaum noch Zahlen.
Hunger ist kein Bild,
sondern eine gesellschaftliche Frage.
07
warm·vorlesen

Sonntagssuppe

Die Suppe beginnt am frühen Morgen
mit Sellerie, Möhren und einem großen Topf.
Später kommen Stimmen durch die Haustür,
Jacken stapeln sich auf dem Bett.
Am Tisch reicht jemand Brot herum,
ein Kind fischt nur die Nudeln heraus.
Niemand spricht über Zusammenhalt.
Er steht dampfend zwischen den Tellern
und wird ein zweites Mal geschöpft.