7 Gedichte

Kartoffelgedichte

Sieben neue Gedichte über Kartoffeln zwischen Acker, Küche, Sortenvielfalt und alltäglicher Ernährung.

Die Kartoffel ist weder nur Beilage noch komisches Knollengemüse. Anbau, Lagerung und Zubereitung verbinden Landwirtschaft mit Familienküche und wirtschaftlicher Geschichte.

Diese Originalgedichte wechseln zwischen genauer Beobachtung und leichtem Humor. Sie bleiben frei von bekannten Kinderreimen.

01
erdverbunden·schule

Die unsichtbare Ernte

Über der Erde welkt
das grüne Kartoffelkraut.
Darunter warten Knollen,
von keinem Blick gezählt.
Die Ernte beginnt
mit Vertrauen in dunklen Boden.
02
beobachtend·lesen

Im Keller

Im Keller liegen Kartoffeln
kühl in einer Holzkiste.
Ein Keim sucht Licht,
obwohl keines vorgesehen ist.
Lagerung hält Zeit an,
aber niemals vollständig.
03
heiter·vorlesen

Spiralen in der Küche

Wir schälen Kartoffeln
für einen großen Topf.
Deine Spirale bleibt lang,
meine reißt ständig ab.
Küchenkunst zeigt sich heute
in ziemlich nutzlosen Wettbewerben.
04
neugierig·schule

Die blaue Kartoffel

Auf dem Markt kaufe ich
eine violettblaue Kartoffelsorte.
Im Topf bleibt ihre Farbe,
auf dem Teller unser Staunen.
Vielfalt kann essbar sein
und braucht Menschen, die sie anbauen.
05
genüsslich·lesen

Vom Vortag

Gekochte Kartoffeln vom Vortag
werden heute knusprig gebraten.
Zwiebeln zischen in der Pfanne,
kein Rest muss sich entschuldigen.
Gute Küche beginnt manchmal
mit dem, was übrig blieb.
06
achtsam·diskussion

Nach der Maschine

Nach der Maschine liegen
noch kleine Kartoffeln im Feld.
Menschen sammeln sie vorsichtig,
mit Erlaubnis des Betriebs.
Ernte hat Ränder,
an denen Verschwendung sichtbar wird.
07
erdverbunden·vorlesen

Ernte im Oktober

Im Oktober kippen wir den Korb
auf die Zeitung in der Küche.
Erde fällt von den Kartoffeln,
kleine Wurzeln halten noch am Feld.
Wir sortieren große, kleine, verletzte,
legen einige dunkel in den Keller.
Abends dampfen die ersten im Topf,
und der Garten kommt nicht als Bild,
sondern als Mahlzeit auf den Tisch.