7 Gedichte

Gedichte über Eulen

Sieben neue Gedichte über Eulen, Nachtlebensräume, Jagd, Beobachtung und Schutz.

Eulen sind keine weisen Märchenfiguren, sondern spezialisierte Vögel mit unterschiedlichen Lebensräumen und Gefährdungen. Viele bleiben für Menschen eher hörbar als sichtbar.

Diese Originalgedichte verbinden genaue Naturbeobachtung mit zurückhaltender Bildsprache. Sie vermeiden Vermenschlichung und Aberglauben.

01
nächtlich·lesen

Ruf im Wald

Aus dem dunklen Wald
kommt ein kurzer tiefer Ruf.
Wir sehen keinen Flügel,
nur Mondlicht auf dem Weg.
Die Eule bleibt verborgen
und ist dennoch anwesend.
02
beobachtend·schule

In der Scheune

Unter dem Scheunendach
wartet eine helle Schleiereule.
Mäuse rascheln zwischen Stroh,
ein Traktor kühlt draußen ab.
Landwirtschaft und Wildtier
teilen einen alten Raum.
03
konzentriert·vorlesen

Der lautlose Flug

Breite Flügel tragen
die Eule fast ohne Geräusch.
Ihre Federn brechen Luft,
bevor Beute sie hört.
Stille ist hier
keine Stimmung, sondern Werkzeug.
04
achtsam·schule

Der Nistkasten

Hoch am Baum hängt
ein sorgfältig gebauter Kasten.
Niemand weiß, ob er
in diesem Jahr bewohnt wird.
Naturschutz arbeitet oft
mit Hoffnung ohne Garantie.
05
ernst·lesen

Am Straßenrand

Im Scheinwerfer erscheint
für Sekunden eine Eule.
Dann verschwindet sie über Felder,
dicht am schnellen Verkehr.
Die Nachtlandschaft trägt
Gefahren aus unserem Alltag.
06
neugierig·schule

Unter dem Schlafplatz

Unter dem Schlafplatz liegen
kleine graue Gewölle.
Forschende lösen Knochen heraus
und lesen darin Nahrung.
Was unscheinbar am Boden liegt,
erzählt vom nächtlichen Revier.
07
nächtlich·vorlesen

Über der Landstraße

Auf dem Leitpfosten sitzt eine Eule,
rund gegen das Licht der Scheinwerfer.
Sie dreht den Kopf, ohne zu fliehen,
als gehöre die Nacht allein ihr.
Hinter mir werden rote Rücklichter kleiner.
Vor mir hebt der Vogel lautlos ab
und verschwindet über dem dunklen Feld,
während sein Schatten noch kurz
auf der Motorhaube mitreist.