7 Gedichte

Gedichte über Füße

Sieben neue Gedichte über Füße, Bewegung, Arbeit, Schmerz und alltägliche Selbstverständlichkeit.

Füße tragen Körper durch Arbeit, Spiel, Flucht, Tanz und Ruhe. Erst bei Schmerz oder Einschränkung werden ihre vielen kleinen Leistungen oft sichtbar.

Diese Originalgedichte betrachten Körper vielfältig und ohne Schönheitsnorm. Medizinische Diagnosen oder Heilversprechen vermeiden sie.

01
sinnlich·lesen

Barfuß im Gras

Nach langem Winter berühren
Füße wieder kühles Gras.
Halme kitzeln zwischen Zehen,
Erde bleibt an der Ferse.
Der Frühling wird
für einen Moment körperlich.
02
müde·hommage

Müde Füße nach der Schicht

Nach zwölf Stunden stehen
die Füße schwer in Schuhen.
Die Pflegerin setzt sich,
öffnet langsam die Schnürsenkel.
Arbeit endet zuerst
mit einem erleichterten Atemzug.
03
selbstbestimmt·schule

Spuren am Strand

Eine Prothese und ein Fuß
hinterlassen verschiedene Spuren.
Beide führen zum Wasser,
wo Wellen Ränder verwischen.
Bewegung braucht keinen
einheitlichen Abdruck im Sand.
04
spielerisch·vorlesen

Unter dem Tisch

Unter dem Tisch tippen
zwei Füße denselben Takt.
Oben wird ernst geredet,
Gläser stehen ordentlich.
Musik findet heimlich
einen kleinen Tanzboden.
05
nostalgisch·karte

Zu kleine Schuhe

Im Flur stehen Schuhe,
die dem Kind nicht mehr passen.
Die Sohlen tragen Kratzer
von vielen kurzen Wegen.
Wachsen hinterlässt Dinge,
bevor wir es bemerken.
06
gelassen·lesen

Füße auf der Bank

Nach dem langen Weg
lege ich Füße hoch.
Staub sitzt auf den Knöcheln,
ein Muskel zieht leicht.
Ruhe ist keine Pause vom Körper,
sondern seine Antwort.
07
ermüdet·lesen

Am Ende des Arbeitstags

Am Ende des Arbeitstags ziehen Füße
die schweren Schuhe im Flur aus.
Sie tragen Druckstellen, Staub und Wege,
von denen kein Kalender erzählt.
Im warmen Wasser werden Zehen wieder locker.
Morgen stehen dieselben Schuhe bereit.
Doch heute dürfen diese verlässlichen Füße
auf dem Sofa ruhen
und endlich nirgends mehr hinmüssen.