7 Gedichte

Gedichte über Schuhe

Sieben neue Gedichte über Schuhe als Begleiter von Arbeit, Bewegung, Erinnerung und sozialem Alltag.

Schuhe schützen Füße, markieren Tätigkeiten und tragen sichtbare Spuren von Wegen. Passform, Zugang und Abnutzung erzählen unterschiedliche Lebensbedingungen.

Diese Originalgedichte bleiben bei konkreten Paaren und vermeiden oberflächliche Modeurteile.

01
sachlich·lesen

Die Arbeitsschuhe

Vor der Umkleide stehen
schwere Schuhe mit Staub.
Ihre Sohlen kennen Werkhallen,
Öl und lange Schichten.
Feierabend beginnt,
wenn leichtere Schritte hineinschlüpfen.
02
warm·karte

Zu klein

Die Kinderschuhe drücken
plötzlich an den Zehen.
Gestern passten sie noch,
behauptet zumindest Erinnerung.
Wachsen meldet sich
mit einem unbequemen Morgen.
03
heiter·vorlesen

Unter dem Brautkleid

Unter dem festlichen Kleid
werden die Schuhe unbequem.
Später tanzt die Braut
barfuß über den Saal.
Eleganz darf gehen,
wenn Freude weiterbleiben will.
04
respektvoll·schule

Vor der Tür

Viele Schuhe stehen
in Reihen vor der Tür.
Innen beginnt gemeinsames Gebet,
außen warten Sohlen und Staub.
Respekt kann sichtbar werden,
indem etwas zurückbleibt.
05
achtsam·lesen

Der geflickte Stiefel

Der Schuster klebt die Sohle,
näht eine offene Naht.
Ein alter Stiefel bekommt
noch mehrere Winterwege.
Reparatur widerspricht
der schnellen Entscheidung zum Wegwerfen.
06
innig·karte

Schuhe im Flur

Vor der Wohnungstür stehen Schuhe,
die gestern nicht dort waren.
Besuch schläft im Gästezimmer,
die Wohnung atmet anders.
Ein fremdes Paar macht
Nähe überraschend sichtbar.
07
warm·vorlesen

Vor der Wohnungstür

Vor der Wohnungstür stehen sieben Paar Schuhe:
kleine Gummistiefel, Turnschuhe, zwei elegante Paare.
Drinnen wird geredet, gekocht und gefeiert,
der Flur kennt nur die abgestellten Wege.
Später nimmt jeder sein Paar zurück
und trägt ein Stück des Abends hinaus.
Übrig bleiben Krümel auf der Matte
und ein einzelner Kinderschuh bis morgen.