7 Gedichte

Gedichte über Hände

Sieben neue Gedichte über Hände bei Arbeit, Berührung, Sprache, Alter und alltäglicher Fürsorge.

Hände tragen Spuren von Beruf, Gewohnheit und Beziehung. Sie können bauen, kommunizieren, schützen oder Grenzen überschreiten.

Diese Originalgedichte betrachten Hände ohne Schönheitsnorm und ohne sie pauschal als Charakterbeweis zu deuten.

01
erdverbunden·lesen

Hände im Teig

Beide Hände drücken Teig,
falten Luft und Mehl zusammen.
An den Fingern klebt
der Anfang eines Brotes.
Arbeit wird hier
langsam essbar.
02
achtsam·schule

Eine Frage in Händen

Deine Hände stellen
eine Frage ohne Laut.
Meine Antwort ist noch langsam,
weil ich die Sprache lerne.
Verständigung wächst
mit aufmerksamem Üben.
03
sachlich·diskussion

Ein Paar Handschuhe

Vor der Pflege zieht
sie saubere Handschuhe an.
Nähe braucht manchmal Schutz
für beide beteiligten Körper.
Fürsorge ist nicht kälter,
weil Material dazwischenliegt.
04
respektvoll·lesen

Die Hände meines Vaters

Die Hände meines Vaters
zittern beim Knöpfen.
Ich warte neben ihm,
ohne sofort einzugreifen.
Hilfe beginnt auch
mit Zeit für Selbstständigkeit.
05
klar·karte

Zurückgezogene Hand

Ich strecke meine Hand aus,
du ziehst deine zurück.
Die kleine Bewegung reicht,
ich frage nicht nach Nähe.
Berührung ist Angebot,
niemals stiller Anspruch.
06
zufrieden·vorlesen

Nach dem Streichen

Blaue Farbe sitzt
noch unter meinen Nägeln.
Die Wand ist trocken,
der Raum wirkt größer.
Meine Hände tragen
den Beweis der Veränderung heim.
07
achtsam·vorlesen

Mehl in den Handlinien

Die Hände drücken Teig auf Holz,
falten Luft und Mehl ineinander.
Eine Narbe zieht über den Daumen,
Mehl setzt sich in jede Linie.
Sie prüfen nicht nach Uhr,
sondern nach Wärme und Widerstand.
Später liegt das Brot auf dem Tisch.
Niemand sieht die vielen Bewegungen,
aber jede Scheibe bewahrt ihre Arbeit.