7 Gedichte

Gedichte über Schmetterlinge

Sieben neue Gedichte über Schmetterlinge, Entwicklung, Lebensraum, Beobachtung und ökologische Gefährdung.

Schmetterlinge sind mehr als Symbole für Verwandlung. Ihre Arten brauchen bestimmte Futterpflanzen, unversiegelte Flächen und einen verantwortungsvollen Blick.

Diese Originalgedichte verbinden genaue Naturbeobachtung mit zurückhaltender Bildsprache. Sie vermeiden romantische Vermenschlichung.

01
staunend·schule

Zitronenfalter im März

Ein Zitronenfalter fliegt
durch die noch kalte Luft.
Zwischen kahlen Zweigen
wirkt sein Gelb fast unmöglich.
Frühes Erwachen
braucht geschützte Winterorte.
02
achtsam·diskussion

Unter dem Blatt

Unter Brennnesselblättern liegen
winzige Eier eines Falters.
Was Menschen oft entfernen,
ist für Raupen Nahrung.
Ein wilder Gartenrand
kann Kinderstube sein.
03
behutsam·lesen

Am geschlossenen Fenster

Der Falter schlägt
gegen die helle Scheibe.
Ich öffne beide Flügel
des Fensters und trete zurück.
Hilfe gelingt besser,
wenn sie einen Ausgang lässt.
04
ernst·schule

Um die Lampe

Ein Nachtfalter kreist
um unsere helle Lampe.
Sein Weg wird enger,
je länger das Licht brennt.
Wir schließen Vorhänge
und geben Dunkelheit zurück.
05
klar·vorlesen

Kein Staub

Auf dem Flügel liegen
winzige farbige Schuppen.
Sie sind kein Staub
für neugierige Finger.
Aufmerksame Beobachtung beginnt
mit genügend schützendem Abstand.
06
kritisch·schule

Nach der Mahd

Nach der frühen Mahd
steht die Wiese plötzlich kurz.
Nur am Rand bleiben
Blüten für späte Falter.
Ein ausgelassener Streifen
kann Nahrung bewahren.
07
staunend·vorlesen

Im Gewächshaus

Im Gewächshaus setzt ein Schmetterling
sich auf das Schild einer fremden Pflanze.
Seine Flügel schließen, öffnen sich,
zeigen Blau, das im Schatten fast verschwindet.
Kinder drücken Hände an die Scheibe,
doch niemand darf ihn berühren.
So bleibt seine Schönheit nicht Besitz,
sondern eine kurze Begegnung,
die von allein weiterfliegt.