7 Gedichte

Gedichte über Sonnenblumen und Lebensfreude

Sieben neue Gedichte über Sonnenblumen und Lebensfreude, zwischen Gartenarbeit, Stadtbeet, Spätsommer und kleinen hellen Momenten.

Sonnenblumen wirken durch ihre Größe und Farbe schnell wie fertige Bilder für Lebensfreude. Doch auch sie knicken im Wind, tragen schwere Köpfe und wachsen manchmal an Orten, an denen niemand sie ausgesät hat.

Diese Originalgedichte verbinden Freude mit konkreten Szenen statt mit dauerndem Optimismus. Helligkeit darf hier kurz sein, Arbeit verlangen oder neben Müdigkeit bestehen, ohne deshalb weniger wirklich zu werden.

01
klar·lesen

Sonnenblume am Bauzaun

Zwischen Kies und Bauzaun
steht eine einzelne Sonnenblume.

Lastwagen fahren dicht vorbei,
Staub liegt auf den Blättern.
Ihr Gelb macht den Ort
nicht schön, aber anders.
02
nachdenklich·karte

Schwerer Kopf im August

Die Sonnenblume neigt sich,
der Kopf voller reifer Kerne.

Freude steht nicht immer aufrecht.
Manchmal trägt sie Gewicht,
gibt Vögeln etwas ab
und bleibt trotzdem leuchtend.
03
hoffnungsvoll·vorlesen

Drei Samen im Topf

Wir drücken drei Samen
in den Topf am Fenster.

Einer keimt, zwei bleiben still.
Das Kind misst jeden Morgen
den dünnen grünen Stängel
und feiert genau, was wächst.
04
lebhaft·teilen

Blumenfeld an der Straße

Wir halten nicht an,
der Termin wartet in der Stadt.

Doch neben der Straße steht
ein ganzes Feld in Gelb.
Für drei Sekunden wird
das Autofenster zum Sommer.
05
ruhig·lesen

Kerne für den Winter

Im Herbst schneiden wir
die trockenen Köpfe ab.

Ein Teil wird Saatgut,
der andere Futter für Vögel.
Die Freude des Sommers
wechselt nur ihre Aufgabe.
06
verspielt·karte

Gelbe Farbe am Ärmel

Beim Malen rutscht der Pinsel,
Gelb landet auf meinem Ärmel.

Die Sonnenblume auf dem Papier
ist ebenfalls etwas schief.
Ich lasse beides trocknen.
Gute Laune braucht keine Korrektur.
07
kraftvoll·vorlesen

Gelb am Bauzaun

Hinter dem Bauzaun wachsen Sonnenblumen
aus einem schmalen Streifen Erde.
Lastwagen bringen Staub, Metall schlägt,
doch ihre gelben Köpfe bleiben offen.
In der Mittagspause fotografiert eine Arbeiterin
die höchste Blüte für ihre Tochter.
Lebensfreude ist hier kein ungetrübter Himmel,
sondern Farbe,
die sich mitten im Lärm behauptet.