7 Gedichte

Gedichte über Veränderung und Neuanfang

Sieben neue Gedichte über Veränderung und Neuanfang, die Abschied, Unsicherheit, praktische Schritte und widersprüchliche Gefühle miteinander verbinden.

Ein Neuanfang beginnt selten auf einer vollkommen leeren Seite. Alte Gewohnheiten, Beziehungen und Zweifel reisen mit, während sich der Alltag bereits verändert.

Diese Originalgedichte verzichten auf schnelle Erfolgsversprechen. Sie zeigen Umzüge, Berufswechsel und kleine Entscheidungen als offene Prozesse statt als automatische Erlösung.

01
nüchtern·lesen

Der letzte Umzugskarton

Im letzten Karton liegen
Tassen, Kabel und ein Kalender.
Nichts davon sieht nach Zukunft aus,
doch alles fährt mit.
Ein Neuanfang braucht Platz
für das gewöhnliche alte Leben.
02
unsicher·reflexion

Die leere Schlüsselkarte

Am letzten Arbeitstag
gebe ich die Schlüsselkarte ab.
Meine Hand greift später automatisch
in dieselbe Jackentasche.
Veränderung zeigt sich zuerst
in einer vertrauten Bewegung ohne Gegenstand.
03
vorsichtig·karte

Ein anderer Fahrplan

Die neue Haltestelle heißt fremd,
der Bus kommt drei Minuten später.
Ich kenne noch kein Gesicht
und steige trotzdem ein.
Manche Anfänge bestehen
aus pünktlichen kleinen Wiederholungen.
04
entschlossen·vorlesen

Plan B bekommt einen Tisch

Plan A hängt durchgestrichen
über meinem Schreibtisch.
Für Plan B räume ich
eine Lampe und zwei Ordner um.
Hoffnung wird glaubwürdig,
wenn sie einen Arbeitsplatz erhält.
05
verbunden·lesen

Vierhundert Kilometer

Unsere Städte liegen nun
vierhundert Kilometer auseinander.
Wir suchen einen freien Sonntag,
verwerfen zwei und finden einen.
Veränderung prüft Freundschaft
nicht mit Gefühl, sondern Kalendern.
06
offen·karte

Was noch keinen Namen hat

Ich muss heute nicht wissen,
wie dieses neue Kapitel heißt.
Die erste Seite trägt
nur Datum, Wetter und Müdigkeit.
Auch ein zögernder Satz
kann einen wirklichen Anfang machen.
07
mutig·nachdenken

Noch ohne Schild

Der neue Laden hat noch kein Schild.
Kartons stehen zwischen frisch gestrichenen Wänden,
die Kasse wartet ohne Strom.
Wir essen belegte Brote auf einer Kiste
und schreiben Öffnungszeiten mit Bleistift.
Morgen kommt vielleicht der erste Kunde.
Heute gehört der Raum nur
unserer Müdigkeit, unseren Zweifeln
und diesem mutigen unfertigen Anfang.