7 Gedichte

Gedichte über Wasser

Sieben neue Gedichte über Wasser in Haushalt, Landschaft, Arbeit und Klimaveränderung.

Wasser erscheint alltäglich aus dem Hahn und zugleich als begrenzte, ungleich verteilte Ressource. Regen, Flüsse, Leitungen und Trockenheit verbinden Natur mit Infrastruktur.

Diese Originalgedichte wechseln zwischen sinnlicher Beobachtung und sachlicher Aufmerksamkeit. Sie vermeiden Heil- oder Reinheitskitsch.

01
sachlich·schule

Die Leitung

Am Morgen hustet die Leitung,
dann läuft klares Wasser.
Unter der Straße arbeiten Rohre,
die niemand beim Trinken sieht.
Alltag beginnt mit Infrastruktur
und einem gedrehten Hahn.
02
ernst·lesen

Der hohe Fluss

Nach drei Regentagen trägt
der Fluss Äste und Schaum.
Der Radweg bleibt gesperrt,
Markierungen zeigen alte Höhen.
Wasser erinnert die Stadt
an seinen eigenen Raum.
03
ruhig·karte

Nachtglas

Ein Glas steht nachts
auf dem kleinen Tisch.
Mondlicht trifft seinen Rand,
ein Schluck bleibt darin.
Durst und Schlaf teilen
diese stille Bereitschaft.
04
achtsam·schule

Gießkanne im Sommer

Die Gießkanne wird schwer,
der Boden bleibt rissig.
Wir wässern nahe an Wurzeln,
nicht in die heiße Luft.
Trockenheit verändert selbst
die Bewegung unserer Hände.
05
kritisch·lesen

In der Wäscherei

Trommeln füllen und leeren sich,
Dampf steht im Arbeitsraum.
Jeder saubere Stoff braucht
Wasser, Energie und Zeit.
Reinheit trägt einen Aufwand,
der selten auf Etiketten steht.
06
klar·vorlesen

Die Quelle

Zwischen Steinen tritt Wasser
kalt aus dunkler Erde.
Ein Schild bittet darum,
den Rand nicht zu betreten.
Schutz beginnt manchmal
mit einem Schritt weniger.
07
klar·unterricht

Bevor es aus dem Hahn kommt

Am Stadtrand stehen Becken im Morgenlicht.
Wasser wird geprüft, gefiltert, weitergeleitet,
noch bevor jemand einen Hahn öffnet.
Zu Hause füllt es Tassen, Wannen, Vasen,
wäscht Erde von kleinen Händen.
Sein Weg bleibt hinter Rohren verborgen.
Erst bei einer Störung merken wir,
wie viel Alltag
in diesem klaren Fließen enthalten ist.