6 Gedichte

Kurze Februargedichte

Sechs kurze Originalgedichte über den Februar zwischen Frost, Karneval, ersten Knospen und länger werdendem Licht.

Der Februar ist kurz, aber nicht ereignislos. Winter und Vorfrühling liegen nah beieinander, während Alltag, Feste und Wetter die wenigen Wochen sehr verschieden färben.

Diese Gedichte halten einzelne Beobachtungen knapp fest. Sie vermeiden den immer gleichen Übergangssatz zum Frühling und zeigen Stadt wie Landschaft.

01
klar·lesen

Kurzer Monat

Der Februar zählt weniger Tage,
aber jeder Morgen bleibt vollständig.
Frost liegt auf den Fahrrädern,
die Sonne bleibt schon länger.
Kürze bedeutet nicht,
dass etwas fehlen muss.
02
alltäglich·vorlesen

Salzrand

An meinen Stiefeln trocknet
ein weißer Rand aus Salz.
Die Straße ist längst frei,
doch Winterspuren kommen mit ins Haus.
Abends bürste ich sie fort
und höre Regen am Fenster.
03
lebhaft·schule

Im Karnevalsbus

Ein Pirat hält die Haltestange,
ein Marienkäfer sucht den Sitzplatz.
Der Busfahrer trägt keine Maske
und wartet geduldig auf alle.
Für drei Stationen reist
der Alltag verkleidet durch die Stadt.
04
hoffnungsvoll·karte

Erste Krokusse

Zwischen altem Laub stehen
drei violette Krokusse.
Niemand hat ihr Erscheinen angekündigt,
kein Kalender sie gerufen.
Sie nutzen eine helle Stunde
und öffnen vorsichtig ihre Farbe.
05
nachdenklich·lesen

Der zusätzliche Tag

Manchmal schenkt der Februar
einen zusätzlichen Tag.
Wir bekommen keine neue Welt,
nur vierundzwanzig gewöhnliche Stunden.
Vielleicht ist genau das genug
für einen längst verschobenen Besuch.
06
ruhig·karte

Februarabend

Um sechs ist der Himmel
nicht mehr völlig dunkel.
Ein Kind fährt noch Roller,
Vögel suchen letzte Zweige.
Das Licht wächst unauffällig
an den Rändern des Tages.