6 Gedichte

Kurze Gedichte über Rosen

Sechs kurze und vollständig neue Gedichte über Rosen, ihre Pflege, ihren Duft und ihre vergänglichen Blüten im Garten und in der Vase.

Rosen erscheinen oft in übernommenen Liebesformeln. Genaue Gartenszenen und unterschiedliche Sorten geben kurzen Texten eine eigene Stimme.

Diese Gedichte eignen sich für Karten und Naturbeobachtung. Sie verzichten auf bekannte Reimpaare und pauschale Schönheitsvergleiche.

01
still·karte

Nach Regen

Auf einem Rosenblatt
liegen drei schwere Tropfen.
Der dünne Stiel beugt sich,
die Blüte bleibt offen.
Regen verändert ihre Haltung,
nicht ihre kräftige Farbe.
02
achtsam·schule

Wildrose am Feldrain

Die Wildrose trägt
kleine einfache Blüten.
Niemand hat sie geschnitten,
Hummeln finden sie trotzdem.
Am sonnigen Wegrand
braucht Schönheit keinen Wettbewerb.
03
konzentriert·lesen

Beim Schneiden

Der Handschuh bleibt
an einem Dorn hängen.
Ich löse ihn langsam
und schneide nur das Totholz.
Sorgfältige Pflege
kennt Widerstand und klare Grenzen.
04
sinnlich·karte

Abendduft

Erst am Abend erreicht
der Rosenduft die Bank.
Das Licht wird schwächer,
die kühle Luft dafür voller.
Nicht jede Wirkung
muss sich sichtbar zeigen.
05
erdverbunden·schule

Vom Blütenblatt zur Frucht

Nach der Blüte wächst
eine rote Hagebutte.
Der Strauch wechselt seine Aufgabe,
Vögel warten auf Nahrung.
Aus vergänglicher Farbe
wird Vorrat für den Winter.
06
wehmütig·karte

Die letzte Rose

Eine Rose steht
allein in der Vase.
Sie öffnet sich weit,
verliert morgen erste Blätter.
Ihre kurze Nähe
muss nicht für immer dauern.