6 Gedichte

Lustige Gedichte übers Camping

Humorvolle Originalgedichte über Zelte, Wohnwagen, Campingkocher, Nachbarn und das kleine Chaos unter freiem Himmel.

Camping verspricht Freiheit und liefert zusätzlich krumme Heringe, dünne Wände und überraschend frühe Vogelkonzerte. Genau daraus entsteht freundlicher Alltagshumor.

Die Gedichte verspotten keine Campingform. Zelt, Wohnwagen und improvisierte Mahlzeiten bekommen jeweils ihre eigene kurze oder ausführlichere Szene.

01
heiter·vorlesen

Der letzte Hering

Der letzte Hering bleibt verschwunden.
Wir suchen Gras und Kofferraum.
Am Ende hält das Zelt
mit Mut, zwei Schnüren
und dem Kochlöffel meiner Tante.
02
komisch·vorlesen

Zeltnachbar

Der Zeltnachbar flüstert nachts.
Seine Luftmatratze antwortet laut.
Wir kennen nun jedes Drehen,
jeden Seufzer und vermutlich
auch seinen Traum vom Frühstück.
03
zufrieden·lesen

Kaffee vom Kocher

Der Campingkocher braucht Geduld,
der Morgen dagegen sofort Kaffee.
Wir knien im feuchten Gras
und schützen die Flamme mit Händen.
Als das Wasser endlich kocht,
schmeckt jeder Schluck nach Erfolg.
04
turbulent·vorlesen

Wohnwagenballett

Papa weist den Wohnwagen ein,
Mama winkt entschieden nach links.
Ein Nachbar gibt zusätzliche Zeichen,
der Hund bellt in alle Richtungen.
Nach zwölf Versuchen stehen wir perfekt —
auf dem Platz direkt daneben.
05
ausgelassen·vorlesen

Regenprogramm

Seit drei Tagen trommelt Regen aufs Zelt.
Die Wanderkarte dient als Untersetzer,
das Kartenspiel kennt jede Hand,
und nasse Socken hängen wie Fahnen.
Wir kochen Nudeln im Vorraum,
erfinden Regeln für alte Spiele
und behaupten bei jedem Donnerschlag,
genau dieses Wetter gewollt zu haben.
Am vierten Morgen scheint Sonne.
Fast fehlt uns plötzlich das Programm.
06
lebhaft·lesen

Abreisetag am Platz

Am Abreisetag passt nichts zurück.
Das Zelt ist größer als seine Tasche,
drei Becher gehören offenbar niemandem,
und unter dem Tisch wohnt eine Socke.
Wir rollen, drücken, zählen und suchen,
während nebenan schon neue Gäste aufbauen.
Schließlich schließt der Kofferraum nur,
weil alle gleichzeitig dagegenlehnen.
So beginnt die Heimfahrt als Teamsport.