7 Gedichte

Mai-Gedichte für Senioren

Sieben neue, gut lesbare Mai-Gedichte für Seniorinnen und Senioren über Garten, Ausflüge, offene Fenster und vertraute Frühlingsrituale.

Im Mai kehren viele kleine Gewohnheiten zurück: morgens das Fenster länger offen lassen, Stühle vor die Tür stellen oder nachsehen, ob der Flieder schon weiter ist als gestern.

Diese Originalgedichte sind klar gegliedert und eignen sich zum Vorlesen, Ausdrucken oder Teilen. Sie behandeln den Frühling freundlich, aber nicht kitschig, und lassen auch kühle Tage und langsame Wege gelten.

01
gelassen·vorlesen

Der Stuhl vor der Tür

Der Stuhl steht wieder draußen,
noch dicht an der Hauswand.

Die Sonne bleibt bis vier,
der Wind blättert in der Zeitung.
Für den ersten Mainachmittag
reicht diese kleine Terrasse.
02
warm·lesen

Flieder am Gartenzaun

Der Flieder hängt schwer
über dem alten Gartenzaun.

Eine Nachbarin bleibt stehen,
reibt ein Blatt zwischen den Fingern.
Wir sprechen über das Wetter
und meinen einen guten Mai.
03
heiter·veranstaltung

Ausflug zum See

Der Bus fährt pünktlich ab,
nur der Kaffee schwappt über.

Am See sind alle Bänke frei,
die Enten erstaunlich bestimmt.
Wir teilen Brot und Aussicht
mit sehr verschiedener Begeisterung.
04
verschmitzt·teilen

Fensterputz im Mai

Nach dem Putzen sieht man
den Garten deutlich besser.

Leider auch jeden Streifen,
den das Tuch zurückließ.
Ich stelle die Vase davor.
Blumen lösen praktische Probleme.
05
ruhig·vorlesen

Mairegen am Balkon

Der Mairegen klopft leise
auf das Blech am Balkon.

Die Geranien trinken,
ich bleibe hinter der Scheibe.
Nicht jeder Frühlingstag
muss zu einem Spaziergang werden.
06
staunend·karte

Abendlicht im Zimmer

Um acht liegt noch Licht
auf dem Teppich im Zimmer.

Die Uhr behauptet Abend,
das Fenster sagt noch nicht.
Der Mai verlängert den Tag
ohne eine Minute zu erklären.
07
heiter-ruhig·vorlesen

Maimorgen im Innenhof

Im Innenhof stehen die Stühle
wieder unter dem jungen Kastanienlaub.
Frau Keller erkennt den Fliederduft,
bevor sie die Blüten sieht.
Ein Pfleger bringt Kaffee nach draußen,
Spatzen prüfen vergessene Krümel.
Der Mai verlangt keinen weiten Ausflug.
Er kommt bis an den Tisch
und setzt sich eine Weile dazu.